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Forschung Am Curt-Engelhorn-Zentrum ermitteln Wissenschaftler das Alter von archäologischen oder historischen Objekten

Manches zu modern und modisch

Die Vitrine ist streng abgetrennt, durch Wände an allen Seiten. Denn in diesem Teil der Ausstellung zeigt sich, dass die alte Volksweisheit stimmt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Bei diesen Ringen oder Figuren haben Mannheimer Wissenschaftler enttarnt, dass die Stücke entweder gar nicht ganz aus diesem edlen Metall oder zumindest in deutlich jüngerer Zeit als angegeben hergestellt worden sind.

Es war 2010, als die „Golden Lotus Foundation“ aus Singapur bei den Reiss-Engelhorn-Museen anklopfte. Zu ihnen gehört das international renommierte Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, spezialisiert auf die naturwissenschaftliche Untersuchung von archäologischen und historischen Objekten. Schon mit der Erforschung der Himmelsscheibe von Nebra, Goldfunden aus Troja oder dem Schmuck des Fürsten von Hochdorf hat es sich einen Namen gemacht. Die Stiftung wollte, dass einige Stücke ihrer über 6000 Exponate zählenden Sammlung untersucht werden – auf Echtheit, Herstellungsart und Herkunft. „Daraus hat sich eine enge Zusammenarbeit ergeben“, so Sven Wiegand, Geschäftsführer des Zentrums.

Digitalmikroskopie, Röntgenfluoreszenzanalysen, Massenspektrometer – all das setzen die Mannheimer Forscher ein. „Gerade bei Gold stoßen wir aber an Grenzen“, so Roland Schwab, der wissenschaftliche Direktor des Zentrums.

Schließlich legten die Eigentümer stets Wert darauf, dass man zerstörungsfrei untersuche, also keine Proben nehme. Da Metalle keinen Kohlenstoff enthalten, funktionierten Methoden für organische Materialien wie Holz oder Knochen, wo man den Zerfall des Kohlenstoffs messe, indes nicht.

„Wir sind erst am Anfang“

„Allerdings werden bei der Bildung von Gold immer radioaktive Spurenelemente aufgenommen. Durch deren Zerfall entsteht Helium“, erläutert er. Die Menge dieses Heliums könne man ermitteln – je höher die Helium-Konzentration, desto älter das Stück. Daraus lasse sich ableiten, wann etwa das Gold geschmolzen wurde, um es in ein Schmuckstück zu gießen. Manchmal werde ein historisches Objekt nachträglich mit neuem Material ergänzt, weil dann der Wert auf dem Kunstmarkt steige. Das lasse sich dadurch entlarven.

„Wir sind mit dieser Forschung aber erst am Anfang“, stellt Schwab klar. Er und sein Team arbeiten derzeit an einer Weiterentwicklung der Methode. Von 2000 untersuchten Objekten der Stiftung hätten sich, sagt Wiegand, zumindest 20 bis 30 als „zu modern“ herausgestellt, 50 bis 80 seien „einem Graubereich“ zuzuordnen. Manchmal handele es sich einfach nur um Schmuckstücke aus Silber – wertvoll zwar, aber nur vergoldet und fälschlicherweise als „Gold“ bezeichnet. Teilweise zeige auch die Art der Herstellung oder der verwendeten Werkzeuge, wenn ein Exponat aus dem 20. Jahrhundert stamme.

„Wir können zumindest ausschließen, dass ein Stück historisch ist“, so Schwab. Eine genaue Altersbestimmung, wie sie bei Holz heute problemlos möglich sei, funktioniere indes bei Gold noch nicht. Es steht auch völlig in den Sternen, ob das jemals möglich ist“, sagt der Direktor.

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