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Honduras Korrupte Regierung unterdrückt die politische Opposition / Verbrechen der Drogenmafia machen ein Leben in Sicherheit unmöglich

„Menschen, die vor Verfolgung und Gewalt fliehen“

Nicht zufällig nennen die Migranten ihre Karawane auch „Exodus Mittelamerika“. Seit langem schon fliehen Tausende aus der Region, um in den Vereinigten Staaten ein neues Leben zu beginnen. Allein in Honduras kehren täglich 200 Menschen ihrer Heimat den Rücken.

2017 waren es 720 000, knapp acht Prozent der Bevölkerung. So auch Masario de Jesús. „Ich musste Honduras verlassen, um meine Familie zu ernähren“, erklärt er. Früher war er als Landarbeiter und auf dem Bau tätig, aber heute gibt es kaum mehr Jobs. Und finde man einen, reiche der Verdienst nicht, um zu überleben.

Bittere Armut

Nicht nur die Arbeitslosigkeit, sondern auch Gewalt und politische Verfolgung haben in Honduras zugenommen. Jugendbanden kontrollieren die Elendsviertel, die Drogenmafia hat sich ausgebreitet. Viele sind geflohen, damit ihre Kinder nicht Opfer von Verbrechern werden oder aber von den Kriminellen rekrutiert werden. Denn wo zwei Drittel der Bevölkerung ohne Aufstiegschancen und in bitterer Armut leben, wird die Mafia zu einem wichtigen Brötchengeber.

Auch wer gegen fragwürdige Großprojekte vorgeht, lebt gefährlich. 2016 fiel die Umweltaktivistin Berta Cáceres einem Attentat zum Opfer, weil sie gegen den Bau eines Staudamms gekämpft hatte. Einiges spricht dafür, dass Vertreter der regierenden konservativen Partei hinter dem Mord stecken. Auch bei Protesten gegen einen mutmaßlichen Betrug bei den Präsidentschaftswahlen 2017 töteten staatliche Kräfte 31 Menschen.

Angesichts dieser Verhältnisse sprechen Experten nicht mehr von Arbeitsmigranten, sondern von Flüchtlingen. „Menschen, die vor Verfolgung und Gewalt fliehen, müssen die Chance haben, Asyl zu beantragen“, erklärte jüngst der Sprecher des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen, Adrian Edwards.

Um Armut und Unsicherheit zu bekämpfen, hat Washington in den vergangenen drei Jahren zwei Milliarden Dollar nach Mittelamerika geschickt. Doch bei den Bedürftigen ist das Geld nicht angekommen. Anstatt Arbeitsplätze zu schaffen, setzt die Regierung auf die Ausbeutung von Rohstoffen, statt Jugendlichen Alternativen zu bieten, geht sie nur hart gegen Banden vor.

Wer im Land bleibt, muss hoffen, dass es die Angehörigen über den Rio Bravo schaffen. Die Söhne, Töchter und Väter in der Ferne ernähren viele Familien. Allein nach Honduras überwiesen sie im vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Dollar – 18 Prozent des Bruttosozialprodukts.