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Milizen bedrohen Helfer

Archivartikel

Zum zehnten Mal erlebt die Demokratische Republik Kongo eine Ebola-Epidemie. Die Seuche ist dieses Mal unter anderem im Dorf Mangina im Osten des Landes ausgebrochen. Derzeit sind 111 Erkrankungsfälle landesweit bekannt, sechs weitere Patienten stehen unter Beobachtung. 72 Menschen sind bereits gestorben. Das tödliche Fieber trat 1976 weltweit zum ersten Mal auf. Die Menschen erkrankten im Nordwesten des Kongo in der Nähe des Ebola-Flusses. Daher benannten die Wissenschaftler den Virus nach diesem Gewässer.

Die kongolesischen Regierungen haben die Seuchen immer in den Griff bekommen. Die Weltgesundheitsorganisation und internationale Helfer lobten stets die gute Zusammenarbeit. Das Fieber grassierte niemals so schlimm wie in den Jahren 2014/15 in Westafrika. Damals starben 11 000 Menschen, vor allem in Liberia, Sierra Leone und Guinea. Selbst Europa fürchtete die Seuche.

Armut und Korruption

Dass das Krisenmanagement immer geklappt hat, mag erstaunen. Denn der Kongo hat zahlreiche Kriege, politische und ökonomische Krisen durchlitten. Das Land in Zentralafrika belegt in den Armuts- und Korruptionslisten stets hintere Plätze.

Die Regierung in Kinshasa hat auch jetzt ihre Spezialisten in die betroffenen Provinzen Nord-Kivu und Ituri geschickt. Ärzte, Psychologen und Laboranten versuchen, die Seuche zu bekämpfen. Aber internationale Helfer zögern. Denn im Ostkongo drangsalieren Dutzende Milizen die Bevölkerung. Selbst die weltgrößte Friedensmission der Vereinten Nationen kann das Morden nicht stoppen. Weshalb sollten die Helfer darauf vertrauen, dass die Soldaten sie schützen können? Das war bei den vorherigen Epidemien anders. Als etwa im Mai das Fieber in der Provinz Équateur ausbrach, reisten Ärzte mit Medikamenten an. Der Nordwesten des Kongo ist relativ friedlich. Kürzlich erklärte das Gesundheitsministerium den Ausbruch dort für beendet.

Impfstoffe wirken

Die Armut trägt dazu bei, dass Ebola immer wieder in den Kongo zurückkehrt. Weil Fleisch beim Metzger teuer ist, jagen die Kongolesen Wildtiere im Tropenwald. Diese können das Virus auf Menschen übertragen.

Die jüngste Epidemie hat der sogenannte Zaire-Virus ausgelöst, einer von fünf Ebola-Typen. Ärzte beobachten bei dieser Krankheit eine Sterberate von bis zu 90 Prozent. Meistens verbluten die Patienten innerlich. Allerdings gibt es Hoffnung. Neue Impfstoffe zeigen Wirkung. Sie sind auf dem Weg zu den Menschen im Ostkongo.

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