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Morde wegen Aussteuer

Sie werden belästigt, misshandelt und vergewaltigt – und im schlimmsten Fall von Männern ermordet. Für die extremste Form von Gewalt gegen Frauen gibt es erst seit Beginn der 1990er Jahre einen Fachbegriff: Femizid. Gesicherte Zahlen, wie viele Frauen wegen ihres Geschlechts weltweit umgebracht werden, existieren jedoch nicht. Schätzungen gehen von rund 66 000 Fällen pro Jahr aus.

Häufig fallen Frauen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ihren Ehemännern oder Ex-Partnern zum Opfer: Eine auf Schätzungen basierende Studie geht von rund 35 Prozent der Fälle aus. Umgekehrt gilt nur für fünf Prozent der weltweit ermordeten Männer, dass Partnerinnen die Tat verübten. Männliches Motiv ist in einem Großteil Eifersucht. Frauen töten eher impulsiv, etwa im Streit.

Mindestens 5000 Frauen werden jährlich im Namen einer angeblichen „Familienehre“ umgebracht – vor allem im Mittleren Osten und in Südasien. Ein auf dem indischen Subkontinent zudem weit verbreitetes Motiv ist der Streit um Mitgift: Tausende frisch verheiratete Frauen sterben, weil die Aussteuer der neuen Familie nicht ausreichte.

Aus Sicht der Vereinten Nationen legen die verfügbaren Daten nahe, dass von den 25 für Frauen gefährlichsten Ländern der Welt 14 in Lateinamerika und der Karibik liegen. Das Problem ist aber: Vielerorts werden Tötungsdelikte zwar statistisch erfasst, aber es wird gar nicht nach Geschlechtern unterschieden. Eine Mordserie in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juárez war immerhin ein Weckruf, zumindest für den lateinamerikanischen Raum. Nach Angaben von Menschenrechtlern sind dort seit 1993 Hunderte Frauen verschleppt und ermordet worden. dpa

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