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Containertransport Verbindung von Mannheim nach Chongqing liegt wegen mangelnder Nachfrage derzeit auf Eis – stattdessen wird die Stadt Xi’an angesteuert

Nach feierlicher Eröffnung fuhren nur vier Züge

Archivartikel

Mannheim.Für die Gäste gab es Kopfhörer, in Kabinen saßen Übersetzer für Deutsch, Englisch und Chinesisch – das Ganze hatte etwas von einer internationalen Konferenz, mit Teilnehmern aus China und von der Europäischen Union: Im vergangenen Oktober eröffneten Politiker und Firmenvertreter bei einer feierlichen Zeremonie im Mannheimer Hafen offiziell die Güterzugverbindung in die zentralchinesische Stadt Chongqing.

Wang Shunqing, Chinas Generalkonsul in Frankfurt, nannte die Zugverbindung damals das aktuellste Ergebnis des Projekts „Neue Seidenstraße“. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) sagte, durch die Zugverbindung werde die Kooperation zwischen China und Europa weiter wachsen – gerade mit Blick auf die Firmen in Mannheim, die Waren nach China lieferten.

11 000 Kilometer, 18 Tage

Betreiber der Verbindung war die chinesische Eisenbahngesellschaft Yuxinou, die Züge fuhren in rund 18 Tagen die 11 000 Kilometer durch Polen, Weißrussland, Russland und Kasachstan – allerdings waren es seit Oktober lediglich vier, wie der Logistikdienstleister Contargo in dieser Woche auf Anfrage erklärte. Das Unternehmen hatte in Mannheim die Ladung für die Züge zusammengestellt. Yuxinou lasse den Zug „momentan nicht“ fahren, weil vor allem die Waggons von Chongqing nach Mannheim nicht ausgelastet gewesen seien. Das könnte unter anderem daran liegen, dass Yuxinou auch den Zielort Duisburg ansteuert, der vergleichsweise nah an Mannheim liegt. Von dem chinesischen Unternehmen gab es keine Stellungnahme zu dem Thema. Dass die Verbindung nach Chongqing eher schleppend läuft, hatte sich bereits Anfang des Jahres abgezeichnet (wir berichteten).

Doch laut Contargo gibt es seit drei Monaten eine andere Verbindung von Mannheim nach China: Das Unternehmen DBO Bahnoperator schickt einmal die Woche einen Zug ins zentralchinesische Xi’an und wieder zurück. Rund 15 Tage sind diese Züge unterwegs. Zur Auslastung und zu den Kunden war von DBO Bahnoperator auf Anfrage nichts zu erfahren. Contargo zufolge kamen in den Waggons zuletzt vor allem Kinderwagen und Kindersitze aus China nach Mannheim und wurden von dort weitertransportiert. Nach Xi’an dagegen gingen Waschbecken, Babynahrung und Autoteile aus ganz Süddeutschland.

Option für Eichbaum

Wer von Mannheim Produkte nach China liefern will, tut das allerdings meist per Flugzeug oder – häufiger – per Schiff. „Die BASF nutzt die Züge nicht, unsere Transporte gehen in der Regel über den Seeweg“, sagt eine Sprecherin des Ludwigshafener Chemiekonzerns.

Der Transport mit dem Schiff dauert zwar knapp 14 Tage länger als mit dem Zug, ist aber in der Regel um zehn bis 15 Prozent billiger. Viele Unternehmen in der Region – das ist in Gesprächen zu hören – sehen den Zug lediglich als Ergänzung zum Schiff. So waren auch die 41 Container auf dem im Oktober in Mannheim feierlich verabschiedeten Zug komplett mit Teilen von Daimler für die Automobilproduktion beladen. Der Transport per Schiff war damals wegen des Niedrigwassers stark eingeschränkt.

Es gibt aber auch Firmen, die Vorteile bei der Schiene sehen – vor allem den, dass die Züge im Landesinneren statt an der Küste ankommen. Das erspart teure Weitertransporte innerhalb von China. So ist etwa für die Mannheimer Eichbaum-Brauerei der Zug immer noch eine Option, wie Uwe Aichele erklärt, für das Ausland zuständiger Vertriebsdirektor. „Wir haben das noch nicht zu den Akten gelegt.“ Auch wenn Eichbaum den Zug bislang noch nicht genutzt habe. Das liegt laut Aichele unter anderem daran, dass die Kunden in diesem Jahr von deutlich geringeren Preisen im Seeverkehr profitiert hätten. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA bremse die weltwirtschaftliche Dynamik, und so stünden ausreichende Frachtkapazitäten zur Verfügung.

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