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Neues Kräftemessen

Es war eine historische Weichenstellung für nukleare Abrüstung: Am 8. Dezember 1987 unterzeichneten der damalige US-Präsident Ronald Reagan und der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow im Weißen Haus in Washington das Verbot von landgestützten Kurz- und Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern.

Mit dem sogenannten INF-Vertrag (INF für Intermediate Range Nuclear Forces – Nukleare Mittelstreckenraketen) wurde nach mehr als vier Jahrzehnten nuklearer Aufrüstung die Reduzierung von Atomwaffen eingeleitet. Weitere Abrüstungsverträge folgten. Von den 70 000 Atomwaffen, die es Mitte der 1980er Jahre gab, sind heute noch knapp 15 000 übrig.

Warnung vor Aufrüstung

Heute wird die Vereinbarung 30 Jahre alt – und ist inzwischen erheblich ins Wanken geraten. Die USA werfen Russland seit mehr als drei Jahren Vertragsbruch vor. Ihrer Einschätzung nach entwickeln und erproben die russischen Streitkräfte eine neue landgestützte Mittelstreckenrakete. Russland wirft den USA im Gegenzug vor, den Vertrag mit der Errichtung einer Raketenabwehrstation der Nato in Rumänien verletzt zu haben.

Vor allem die Europäer in der Nato verfolgen die Entwicklung mit Sorge, weil sie sich im Zielradius neuer russischer Mittelstreckenraketen befinden würden. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) warnt bereits vor einer neuen nuklearen Aufrüstungsspirale.

Und auch der Vertragsunterzeichner und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow prophezeit dramatische Auswirkungen einer Aufkündigung: „Wenn das System der Atomwaffenbegrenzung zusammenbräche, wären die Folgen katastrophal.“ dpa