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Arbeitswelt Menschen mit Einschränkung helfen in Küchen oder promovieren / Sozialpädagogin wünscht sich mehr Unternehmen, die ihnen eine Chance geben

Nur wenige finden eine reguläre Stelle

Konkrete Zahlen gibt es nicht. Doch Schätzungen zufolge haben lediglich fünf bis zwölf Prozent der Menschen mit Autismus in Deutschland einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Weshalb das so ist, auf diese Frage gibt es Daniele Schild zufolge keine einfache Antwort. „Den einen Menschen mit Autismus gibt es nicht“, erklärt die Leiterin des Integrationsfachdienstes (IFD) Heidelberg-Mosbach. „Die Menschen haben sehr unterschiedliche Fähigkeiten und sehr unterschiedliche Qualifikationen.“

Doch gibt es Dinge, die es vielen Menschen mit Autismus schwieriger machen, sich im Arbeitsalltag einzufügen. Ein Punkt ist Selbstorganisation, ein anderer Kommunikation, die faktenorientiert und sachlich sei, wie Sozialpädagogin Geraldine Elspass ergänzt. Es bestehe die Gefahr, dass dies als beleidigend empfunden werde. Die Erfahrung der beiden ist dennoch: Menschen mit Autismus können produktiv in einem Unternehmen arbeiten – wenn die Rahmenbedingungen stimmen: wenige, klar benannte Ansprechpartner, Reizreduzierung, klar formulierte Aufgaben. Der Aufwand, der notwendig sei, sei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, sagt Elspass. Es gebe Menschen im autistischen Spektrum, die fast täglich eine Absprache mit einem festen Ansprechpartner benötigten. Andere hingegen strukturierten ihre Arbeit völlig selbstständig und arbeiteten ganz normal im betrieblichen Alltag mit.

Dennoch sind Programme wie „Autism at Work“ von SAP äußerst selten. Doch es gibt Unternehmen, auch in der Region, die Menschen mit Autismus beschäftigen. Auch kleine Betriebe, wie Schild betont. Ein junger Mann arbeite bei einem Bäcker, einer hilft in der Küche eines Cateringunternehmens. Elspass berichtet von Biologielaboranten. „Die Menschen decken die ganze Palette des Bildungsniveaus ab“, sagt sie, „von Helfertätigkeiten bis zu Promotionsstellen.“ Schild hofft, dass sich künftig mehr Unternehmen trauen, jemanden einzustellen, der nicht „in der 0815-Spur läuft“. „Die Menschen haben ja Fähigkeiten und Kenntnisse“, sagt sie. Man müsse sich eben individuell auf sie einstellen. „Das bedeutet Einsatz, manchmal eine angepasste Organisation betrieblicher Abläufe. Aber am Ende können alle davon profitieren.“ kla

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