Welt und Wissen

Ohne meine Familie ist es sehr schwer für mich

„Meine Ausbildung als Elektroingenieur wurde ja schon vor zwei Jahren in Deutschland anerkannt. Aber dann musste ich erst mal richtig Deutsch lernen. Vor ungefähr neun Monaten habe ich über das Jobcenter eine Arbeit als Ingenieur gefunden, bei einer Firma in Mannheim. Sie vermittelt Spezialisten für Projekte an andere Unternehmen. Im Moment bin ich bei einem großen Konzern in der Region eingesetzt. Ich bin da sehr zufrieden: Ich habe ein gutes Gehalt, ich fühle mich hundert Prozent in unserem Team integriert und ich kann die ganze Berufserfahrung einbringen, die ich als Elektroingenieur in meinem Heimatland Syrien und auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten viele Jahre lang gesammelt habe.

Auch mein Deutsch ist viel besser geworden. Manchmal kommt es noch vor, dass ich ein technisches Wort nicht weiß, aber dann helfen mir die Kollegen. Und von Montag bis Donnerstag gehe ich nach der Arbeit weiter zum Sprachkurs.

Es gibt also viel Positives – und trotzdem: Ohne meine Familie ist es hier manchmal sehr schwer für mich. Ich vermisse sie, meine zwei Frauen und meine acht Kinder, die alle noch in Syrien sind. Ich habe sie seit drei Jahren nicht gesehen. Ich sorge mich um sie, um ihre Sicherheit, ihre Zukunft. Meine jüngsten Kinder sind sechs, die älteste Tochter ist 13 Jahre alt. Sie haben in Syrien keine Perspektive. Dort ist so viel zerstört. In der Schule sitzen sie in einem Klassenzimmer mit 80 anderen Schülern. Da kann man nichts werden.

Ich möchte meine Familie deshalb nach Deutschland holen. Aber das hat bisher nicht geklappt. Ich habe mit einem Anwalt gesprochen. Er hat mir gesagt, dass es vor allem sehr schwer oder sogar unmöglich ist, meine zweite Frau hierher zu bekommen.

Natürlich weiß ich, dass es in Deutschland nicht erlaubt ist, zwei Frauen zu haben. Aber meine Situation ist jetzt nun mal so, wie sie ist. In meiner Heimat war das kein Problem. Wir sind einfach eine Familie. Und wir wollen zusammen sein. Die Kinder brauchen einen Vater und sie brauchen ihre Mütter. Ich spreche darüber auch mit meinen Kollegen hier. Sie verstehen das.

Im Moment hoffen wir, dass zumindest meine erste Frau mit sechs Kindern bald hierher kommen kann. Sie waren deshalb mehrere Wochen lang in Erbil im Irak, um dort im deutschen Konsulat ein Visum zu beantragen. Bisher wissen wir aber noch nicht, ob sie eines bekommen. Doch jetzt habe ich noch ein großes Problem: Ich brauche hier dringend eine Wohnung, in der wir alle zusammen leben können. Bisher habe ich aber keine gefunden, und es ist sehr schwer, obwohl ich ja gut verdiene.

Ich mache mir deshalb große Sorgen: Was ist, wenn meine Frau und die Kinder nun ein Visum erhalten und ich sie dann hier nirgends unterbringen kann? Können sie dann vielleicht gar nicht kommen?

Solche Gedanken sind sehr hart für mich. Manchmal frage ich mich sogar, ob es falsch war, hierherzukommen. Ob ich lieber bei meiner Familie hätte bleiben sollen. Dann wären wir jetzt nicht getrennt. Aber am Ende hoffe ich immer noch, dass meine Kinder eines Tages mit mir in Deutschland leben und sich hier eine Zukunft aufbauen können.“