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Diplomatie Washington betont ungetrübtes Verhältnis zu Deutschland – neben dem Außenminister macht aber auch Trump einen Bogen um den Bündnispartner

Pompeos Berlin-Absage nährt Spekulationen

Archivartikel

Kanzlerin Angela Merkel zu versetzen, ist eine Ansage. Umso mehr, wenn man sich noch nie zuvor bei der mächtigsten Frau Europas hat blicken lassen, den Termin nur ganz knapp vor dem vereinbarten Zeitpunkt absagt und stattdessen in den Irak reist. US-Außenminister Mike Pompeo (Bild) hat genau dies getan – und damit Klagen über das derangierte deutsch-amerikanische Verhältnis Vorschub gegeben. Pompeo ist seit gut einem Jahr Chefdiplomat der USA. Er war in der Zeit viel unterwegs und hat fast 40 Länder besucht, der enge Verbündete Deutschland war aber nicht dabei. Aber wie dringlich war der Besuch, wenn die „Bedrohungen“ durch den Iran den Amerikanern schon am Wochenende bekannt waren? Und war der Tag des Berlin-Besuches wirklich die einzige Option bei Pompeos mehrtägiger Europa-Reise, um einen Abstecher in den Irak zu machen?

Die Amerikaner wollen die Berlin-Absage keinesfalls als Zeichen der Geringschätzung für das transatlantische Verhältnis verstanden wissen. Im Gegenteil. Die Pompeo-Aktion passt dennoch irgendwie ins Bild: Seit Trumps Amtsantritt 2017 ist die Beziehung zwischen Deutschland und den USA angespannt. Regelmäßig wirft Trump dem Nato-Partner Deutschland vor, zu wenig für das Militär auszugeben. Die US-Regierung kritisiert vehement auch das deutsch-russische Pipeline-Projekt Nord Stream 2 und droht mit Strafzöllen wegen des deutschen Handelsüberschusses.

Auch das persönliche Verhältnis zwischen Trump und Merkel gilt als unterkühlt. Die beiden stehen sich in ihrem Wesen und Politik-Ansatz nicht gerade nahe.

In seinen mehr als zwei Jahren im Amt war Trump noch nie zu einem bilateralen Besuch in Deutschland. Im Juli 2017 nahm er am G-20-Gipfel in Hamburg teil, und im Dezember machte er auf dem Rückflug aus dem Irak einen kurzen Zwischenstopp auf dem Militärstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern. Aber zu politischen Gesprächen mit der Bundesregierung hat es den US-Präsidenten bislang nicht nach Deutschland gezogen. Nicht ein einziges Mal in mehr als 27 Monaten.

Merkel war in der Zeit zwar schon mehrfach in Washington zu Besuch. Bei ihrem nächsten Trip in die USA Ende Mai macht aber auch sie einen Bogen um die US-Hauptstadt. Die Kanzlerin wird eine Rede bei der Abschlussfeier der Elite-Universität Harvard halten. Einen Abstecher zu Trump ins etwa 700 Kilometer entfernte Weiße Haus plant sie aber nicht. Terminprobleme – heißt es. Anderweitige Termine hatte nun eben auch Pompeo. (Bild: dpa)