Welt und Wissen

Prager Frühling

1968

Der Begriff Prager Frühling ist eine Erfindung westlicher Medien. Er bezeichnet auf plakative Weise die Versuche der tschechoslowakischen Regierung ab Januar 1968, eine Liberalisierung und Demokratisierung des Landes durchzusetzen. Dabei wollte der neue Chef der Kommunistischen Partei des Landes, Alexander Dubcek (seit 4. Januar), keineswegs den Sozialismus abschaffen, sondern ihn unter den wachen Augen Moskaus „mit einem menschlichen Antlitz“ versehen. Das am 5. April vorgestellte Aktionsprogramm sah unter anderem ein parlamentarisches Modell mit bürgerlichen Parteien, Pluralismus und Meinungsfreiheit sowie eine „humane Wirtschaftsdemokratie“ vor – „ohne graue Arbeitsstätten und ohne gefühllose Bürokratie“. Das aber passte nicht in die Vorstellungswelt der Sowjetunion. Am 21. August beendeten eine halbe Million Soldaten des Warschauer Pakts die tschechoslowakischen Träume. Mit dem „Moskauer Protokoll“ vom 27. August wurden so gut wie alle Reformprojekte aufgehoben.

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