Welt und Wissen

Premiere zum Geburtstag

Archivartikel

Sie haben die halbe Welt gesehen, reisten in den Himalaya, den Urwald und nach Afrika – auch in New York waren Spirou und Fantasio bereits. Niemals aber spielte ein Abenteuer der francobelgischen Comic-Helden in Deutschland. Und noch nie durfte ein Deutscher ein Album zeichnen. Bis jetzt, zum 80. Geburtstag des Hotelpagen Spirou: Der Berliner Zeichner Flix (Felix Görmann) hat die Abenteurer ins Ostberlin der 1980er Jahre geholt.

Der 41-Jährige siedelt seine Geschichte kurz vor dem Fall der Mauer an. Graf von Rummelsdorf, Wissenschaftler und Freund des Duos, ist zu einem Kongress nach Ostberlin geladen. Plötzlich verschwindet er, Spirou und Fantasio reisen hinterher. Die DDR präsentiert sich als „unfassbar friedlicher Ort“, wie Fantasio sinniert, bietet aber von Stasi-Willkür bis Mangelwirtschaft viel Bedrohliches. Dazu kommen Widerständler mit Moral und Freiheitswillen sowie dressierte Gorillas als Helfer.

Comics für Kinder

Zum ersten Mal präsentierte sich der rotberockte Schlacks am 21. April 1938 auf dem Titel des ersten Spirou-Magazins. Als neugieriger Hotelpage mit Uniform und Kappe. Der belgische Verleger Jean Dupuis hatte damals die Idee, belgische Comics für die Kinder und Jugendlichen anzubieten. Kinderzeitschriften gab es im französischsprachigen Raum zwar viele, die meisten kamen jedoch aus Frankreich. In dem Franzosen Robert Velter alias Rob-Vel fand Dupuis einen Zeichner, der die zündende Idee hatte: Den mit dem wallonischen Wort für „Lausbub“ und „Eichhörnchen“ benannten Comic-Helden. 1939 stellte ihm Rob-Vel tatsächlich ein Eichhörnchen zur Seite, Pips.

Emanzipation vom US-Markt

Großen Einfluss auf Serie und Magazin hatte ab 1939 Joseph Gillain, Jijé genannt. Unter ihm entwickelte sich „Spirou“ zu einer der einflussreichsten Jugendzeitschriften in Europa. Er fügte zudem 1943 den Lebenskünstler Fantasio hinzu, der seit den 50ern als Reporter arbeitet. Eine Vielzahl von Charakteren schuf in der Folge André Franquin, wie den verschrobenen Grafen von Rummelsdorf, das Fantasiewesen Marsupilami oder den kreativen Chaoten Gaston Lagaffe.

Einen Verdienst darf sich Dupuis noch anheften: Er verhalf europäischen Künstlern in einem US-dominierten Markt zum Erfolg – so Morris („Lucky Luke“) und Peyo („Schlümpfe“). her