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Ausbildung Karl Lauterbach (SPD) zufolge muss die Zahl der einschlägigen Studienabgänger deutlich steigen, um die demografische Entwicklung auszugleichen

„Pro Jahr werden bis zu 5000 Kräfte fehlen“

Archivartikel

Nach einer aktuellen Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gibt es immer mehr Praxisärzte. Allerdings arbeiten immer mehr von ihnen in Teilzeit. Der SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach hält einen Ärztemangel für unausweichlich, falls sich die Zahl der Medizinstudenten nicht deutlich erhöht.

Herr Lauterbach, die Ressource Arzt sei knapp, sagt die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Stimmen Sie zu?

Karl Lauterbach: Wir steuern tatsächlich auf einen Ärztemangel zu, weil in Deutschland viel zu wenige Mediziner ausgebildet werden. Wenn man den Bedarf mit der Zahl der Studienabgänger im Fach Medizin ins Verhältnis setzt, dann werden pro Jahr bis zu 5000 ärztliche Kräfte fehlen. Das ist weniger der geringeren Bereitschaft zur Vollzeitarbeit geschuldet, sondern vor allem der demografischen Entwicklung.

Das müssen Sie erklären.

Lauterbach: In sieben bis zehn Jahren werden die Babyboomer in Rente gehen und mehrheitlich mit chronischen Erkrankungen belastet sein. Das betrifft etwa 1,4 Millionen Menschen pro Jahr. Genau dann kommen wir auch in einen chronischen Arztmangel, der sich jetzt schon bei den Hausärzten ankündigt. Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Mediziner liegt bereits bei 55 Jahren.

Lässt sich diese Entwicklung noch aufhalten?

Lauterbach: Wir brauchen eine deutliche Erhöhung der Zahl der Medizinstudenten. Gegenwärtig sind es etwa 10 000. Nötig ist eine Steigerung um 5000 pro Jahr. Die angehenden Mediziner, die jetzt mit ihrem Studium beginnen, sind einschließlich ihrer gesamten Fach- oder Hausarztausbildung erst in etwa 15 Jahren mit ihrer Ausbildung fertig.

Bei der Ärzteverteilung gibt es große Unterschiede. Patienten auf dem Lande haben praktisch nichts von dem aktuellen Ärztezuwachs. Wie lässt sich das ändern?

Lauterbach: Die meisten Ärzte zieht es dorthin, wo es viele Privatversicherte gibt. Und das ist in den Metropolen eher der Fall. In Deutschland gibt es nach wie vor kein Versicherungssystem, bei dem es sich wirtschaftlich lohnen würde, auf dem Land zu praktizieren. Wenn man als Mediziner für die Behandlung von 50 Privatversicherten so viel Honorar bekommt wie für 100 gesetzlich Versicherte, dann läuft etwas schief im System. Lösen lässt sich das Problem durch die Einführung einer Bürgerversicherung, in der private und gesetzliche Krankenversicherung weitgehend verschmelzen.

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