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Propaganda, Einmarsch – viele Tote

Archivartikel

Der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939 gilt als Beginn des Zweiten Weltkrieges. Noch vor dem Beschuss der Westerplatte bei Danzig wurde das Städtchen Wielun nahe der damaligen deutsch-polnischen Grenze von der deutschen Luftwaffe bombardiert. Schätzungen gehen von bis zu 1200 getöteten Zivilisten aus, die allein bei diesem Angriff ums Leben kamen.

In Wielun findet 2019 eine der offiziellen Gedenkfeiern an den Kriegsbeginn statt. Der deutsche Angriff auf Polen war genau vorbereitet. Bereits am 25. August war das Militärschiff SMS „Schleswig-Holstein“ zu einem angeblichen Freundschaftsbesuch in Danzig eingetroffen. Die Stadt und ihr Hinterland waren nach dem Ersten Weltkrieg unter ein Mandat des Völkerbunds, eines Vorläufers der Vereinten Nationen, gestellt worden. Die Nazi-Propaganda forderte, Danzig müsse wieder „heim ins Reich“.

SS inszenierte Überfall

Gegen 4.45 Uhr am 1. September 1945 begann vom Schiff aus der Beschuss der Westerplatte. Auf der Halbinsel vor dem Danziger Hafen unterhielt die polnische Armee seit 1924 ein Munitionsdepot, das festungsartig ausgebaut war.

Gegen 10 Uhr sagte Adolf Hitler in einer Rundfunkrede: „Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen.“ Warum er die falsche Uhrzeit nannte, ist unklar. Er bezog sich mit der Formulierung auf angebliche polnische Grenzverletzungen wie einen behaupteten Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz – in Wahrheit eine von der SS inszenierte Propaganda-Aktion mit mehreren Todesopfern.

Die Schüsse auf die Westerplatte waren das Signal für die deutsche Wehrmacht, von der Ostsee bis zu den Karpaten auf breiter Front die polnische Grenze zu überschreiten. dpa