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Spitzenkandidaten Drei Politiker wollen an diesem Sonntag Ministerpräsident werden – aus Thüringen stammt nur einer von ihnen

Ramelow, Mohring oder Höcke – wer macht das Rennen?

Archivartikel

Bleibt Bodo Ramelow Ministerpräsident in Thüringen oder wird es doch ein anderer? Hier die drei Kandidaten, die zumindest nach Umfragen theoretisch die Chance auf das Regierungsamt haben.

Der Amtsinhaber

Am 5. Dezember 2014 sprach Bodo Ramelow (Bild) im Landtag in Erfurt seinen Amtseid. Seitdem ist er ein politisches Unikat: Der heute 63-Jährige ist der einzige Ministerpräsident, den die Linke in Deutschland stellt. Der gebürtige Niedersachse passt nur bedingt ins gängige Linke-Klischee: Ramelow ist bekennender Christ, bekennender Legastheniker, neuerdings auch bekennender Dieselfahrer und er will kein Parteisoldat sein. Er er hat aber auch kein Problem, als Gastgeber königlicher Hoheiten aufzutreten, so beim Thüringen-Besuch des belgischen Königspaars im Sommer. Geboren wurde Ramelow im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck. In Hessen absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann. Mit 25 Jahren wurde er Gewerkschaftssekretär in Mittelhessen. Von dort ging er 1990 nach Thüringen. 1999 zog Ramelow für die PDS in den Thüringer Landtag ein.

Der Herausforderer

Für Mike Mohring (Bild) , 47 Jahre alt und in Apolda geboren, ist es eine Premiere: Der Thüringer tritt erstmals als Spitzenkandidat der CDU an. „Ich will Ministerpräsident werden“, sagt er selbstbewusst. Mohring will es sein, der die CDU, die von 1990 bis 2014 die Regierungschefs stellte, zurück in die Staatskanzlei bringt und „Rot-Rot-Grün in Thüringen zu einem Wimpernschlag der Geschichte macht“. Politisch sieht sich Mohring, der seit 2008 CDU-Fraktionschef im Landtag ist, in der Mitte. Er ist jemand, der austeilen kann – zeitweise attackierte er Kanzlerin Angela Merkel, früher gern die Thüringer SPD. Die Sozialdemokraten fühlten sich so verletzt, dass sie auch wegen Mohring 2014 keine Neuauflage von Schwarz-Rot mehr wollten.

Ende 2018 erkrankt Mohring an Krebs, im Januar machte er seine Krankheit und die Chemotherapie mit einem selbst aufgenommenen Video in den sozialen Netzwerken öffentlich. Inzwischen gilt er als geheilt. Nur acht Wochen nach Behandlungsende wählte die CDU ihren Parteichef zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Mohring wurde in den Wendewirren als Gymnasiast politisch. Bis 1993 engagierte er sich für die Bürgerrechtsbewegung Neues Forum, dann trat er in die CDU ein. 1999 saß er im Landtag.

Der Außenseiter

Im Wahlkampf wirbt AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke (Bild) mit dem Spruch „Vollende die Wende“, dabei ist der 47-Jährige selbst ein Westdeutscher. Geboren wurde Höcke im nordrhein-westfälischen Lünen, zur Schule ging er im Westerwald in Rheinland-Pfalz. Der Rechtsaußen gilt als Gründer des völkisch-nationalen „Flügels“, der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „Verdachtsfall“ im Bereich Rechtsextremismus eingestuft wurde.

Höcke ist Gymnasiallehrer (Geschichte und Sport). Er unterrichtete in Hessen, bevor er 2014 Fraktionschef im Thüringer Parlament wurde. Höcke lebt mit seiner Familie im Eichsfeld im Nordwesten Thüringens. Mit seinen Äußerungen machte er Schlagzeilen. Etwa als er in Dresden 2017 mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin sagte: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ dpa