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Regionale Förderung für Familien

Archivartikel

Auch wenn das Ansehen von Familien mit mehr als zwei Kindern gestiegen ist – im Alltag sind sie oft mit Problemen konfrontiert. Ob bei der Wohnungssuche, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dem Autokauf, dem Urlaub oder Freizeitangeboten: Die Gesellschaft ist auf Kleinfamilien ausgerichtet. Immerhin: In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es einige Angebote, mit denen große Familien unterstützt werden.

Damit Kultur und Freizeitvergnügen für große Familien nicht am Geldbeutel scheitern, bietet Baden-Württemberg einen Landesfamilienpass für Familien mit mindestens drei Kindern an – Alleinerziehende und Bezieher von Sozialleistungen erhalten ihn bereits ab einem Kind. Damit gibt es vergünstigten oder gar freien Eintritt etwa zu Ausflugszielen.

Auch Kommunen in der Metropolregion haben ähnliche Angebote. In der SAP-Stadt Walldorf können alle Familien mit mehr als zwei Kindern unabhängig vom Einkommen den Walldorf-Pass beantragen. Dieser enthält Gutscheine für Freizeit- und Kultureinrichtungen – und für Sportkurse und Vereinsmitgliedschaften. Familienpässe gibt es zudem in Rheinland-Pfalz und Hessen sowie in den Städten Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg. Allerdings erhalten kinderreiche Familien dort keine besonderen Vergünstigungen. Anders im öffentlichen Nachverkehr: Das Maxx-Ticket ist etwa in Mannheim ab dem dritten Kind gratis.

„Ein Armutsrisiko“

Kinderreiche Familien gibt es in allen sozialen Schichten. Doch „vor allem für Alleinerziehende und für Paare, die wenig Geld haben, sind mehrere Kinder ein Armutsrisiko“, sagt Beate Wille, Leiterin der Beratungsstelle Pro Familia in Mannheim. Bei drei Kindern sei es für viele Frauen schwierig, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. „Ab vier Kindern haben sie massive Schwierigkeiten.“

Die größten Probleme haben kinderreiche Familien derzeit auf dem Wohnungsmarkt, hat Wille beobachtet. „Das betrifft zunehmend auch die Mittelschicht.“ Große und bezahlbare Wohnungen sind auch in der Metropolregion Rhein-Neckar Mangelware.

Das Problem hat die Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft GBG erkannt. „Familien zählen zu den Gruppen, die wir besonders im Blick haben“, sagt ein GBG-Sprecher. „Wir achten, wenn es Bedarf gibt, auf passende Wohnungsgrößen und legen dafür kleinere Wohnungen zusammen. Auf der Schönau schaffen wir derzeit mehrere Sechs- und Sieben-Zimmer-Wohnungen.“

Einkommensgrenze erhöht

Auch die Landeswohnraumförderung Baden-Württemberg hat reagiert und den Satz für Familien erhöht. So hat ein Fünf-Personen-Haushalt ab einem Bruttoeinkommen von 75 450 Euro Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein und damit eine Sozialwohnung. Für jede weitere Person steigt die Einkommensgrenze um 9000 Euro.

Doch in vielen Bereichen bleibt es für Familien schwierig. Beim Autokauf müssen kinderreiche Familien tiefer in die Tasche greifen. Auch die Urlaubsplanung ist aufwendiger und teurer – bei mehreren Kindern werden auch mehrere Zimmer nötig.

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