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Waffen Sportschützin Hannelore Lange begrüßt unangemeldete Kontrollen der Aufbewahrung / Vereine tragen große Verantwortung / Vorstand muss Antrag befürworten

„Schon damals waren die Gesetze sehr streng“

Archivartikel

Stuttgart.Nach dem Amoklauf in Winnenden standen Sportschützen in der Kritik. Landesoberschützenmeisterin Hannelore Lange zu Reaktionen und Konsequenzen.

Frau Lange, was fasziniert Sie so am Schießen?

Hannelore Lange: Eine gute Frage. Schießen ist ein Sport. Er fördert die Konzentrationsfähigkeit. Ich muss mich vollkommen darauf fokussieren. Nach einem anstrengenden Tag entspanne ich dadurch. Dabei geht es nicht darum, aus Spaß herumzuschießen. Wenn man den Sport ernst nimmt, ist das ein großer Vorteil: Man vergisst, was am Tag schiefgelaufen ist. Die Konzentration liegt dann auf dem Zehner, also auf der Mitte der Scheibe.

Tim K.s Vater war Sportschütze. Wie sind die Vereine damals mit den Reaktionen umgegangen?

Lange: Es gab große Kritik. Wir wurden für alles verantwortlich gemacht, was da Schreckliches geschehen ist. Wir waren alle schockiert. Niemand konnte sich das vorstellen. Auch, dass die nicht korrekte Aufbewahrung dazu führte, dass der Junge an die Waffe kam. Seitdem weisen wir auf die Verantwortung der Sportschützen hin.

War die Gesetzeslage um den Waffenbesitz damals zu lasch?

Lange: Schon damals waren die Gesetze sehr streng. Aber wir haben leider erleben müssen, dass sie umgangen werden konnten.

Daraus wurden ja Konsequenzen gezogen.

Lange: Richtig, die sichere Aufbewahrung von Waffen wird seitdem regelmäßig und unangemeldet kontrolliert.

Was halten Sie davon?

Lange: Es ist notwendig. Jeder, der eine Waffe besitzt, ist verpflichtet, sie sicher und für andere nicht zugänglich aufzubewahren. Das ist keine Frage der Meinung. Das ist Voraussetzung für den Waffenbesitz.

Prüfen Sie, ob die Mitglieder geeignet sind, um Waffen zu besitzen?

Lange: Man muss mindestens ein Jahr im Schützenverein aktiv sein. In dieser Zeit dürfen Anwärter nur unter Aufsicht schießen. Dabei wird genau darauf geschaut, wer eine Waffe bekommen kann. Den Antrag, den derjenige beim Ordnungsamt stellen will, unterschreibt der Vorstand. Wenn sich zeigt, dass jemand einfach mit einer Waffe herumhantieren will, lehnt der Vorstand ab. jor

Hannelore Lang beantwortete die Fragen telefonisch. Das Interview wurde ihr zur Autorisierung vorgelegt.