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Schwanger auf Mission des Vatikan

Es ist eigentlich eine wunderbare Nachricht: Eine Frau wird schwanger und erwartet ein Kind. Schwere Konsequenzen hat eine Schwangerschaft allerdings, wenn es sich bei der künftigen Mutter um eine katholische Ordensschwester handelt.

Gerade macht in Italien eine Nachricht die Runde, dass kürzlich zwei aus Afrika kommende und auf Sizilien tätige Nonnen schwanger geworden seien. Bei einer der Frauen soll es sich um eine Ordensoberin aus Madagaskar handeln, die in der Seniorenbetreuung aktiv war. Sie ist in ihre Heimat zurückgekehrt.

Über die Umstände der Schwangerschaft beider Frauen ist nichts bekannt. Sie sollen beide in ihren Heimatländern gewesen sein, als sie schwanger wurden. Nicht ausgeschlossen ist, dass es sich um sexuellen Missbrauch handeln könnte.

Festhalten am Zölibat

Im Februar gab Papst Franziskus zu, dass sexueller Missbrauch von Ordensschwestern in der katholischen Kirche keine Seltenheit ist. „Es stimmt, es ist ein Problem“, sagte der Papst. Auch Priester und Bischöfe hätten Nonnen sexuell missbraucht. „Ich glaube, es wird immer noch getan“, fügte Franziskus hinzu.

Ein Problem hat nun die katholische Kirche, die das Keuschheitsgelübde für den Klerus aufrechterhält, aber immer wieder von der Wirklichkeit vor den Kopf gestoßen wird. Es herrsche „Bestürzung“ angesichts der Nachricht der beiden schwangeren Nonnen, sagte eine Vatikan-Quelle der britischen Zeitung „The Sun“. Es ist die Bestürzung darüber, dass die Realität oft andere Wege geht, als der menschliche Geist es sich vorstellt.

Um diesem Auseinanderdriften beizukommen, empfahlen die Bischöfe bei der Amazonien-Synode vor kurzem im Vatikan erstmals, dass auch verheiratete Familienväter künftig ausnahmsweise zu Priestern geweiht werden sollen.

Kindeswohl hat Vorrang

Im Frühjahr, als im Vatikan die Sonderkonferenz über sexuellen Missbrauch stattfand, wurde auch bekannt, dass die katholische Kirche interne Regeln für Priester hat, die trotz Zölibats Väter geworden sind. Im Kern sehen die Regelungen als Konsequenz vor, dass diese Priester ihre Ämter niederlegen müssen. Offiziell heißt es, das Wohl des Kindes müsse im Vordergrund stehen.

Analog gilt das auch für die schwangeren Nonnen. Eine der beiden Ordensschwestern, eine 34-Jährige, die in einer sozialen Einrichtung in der Gemeinde Sant’Agata Militello tätig und offenbar sehr anerkannt war, hatte wegen starker Bauchschmerzen ein Krankenhaus aufgesucht und stellte dann fest, schwanger zu sein. Sie wurde inzwischen aus der Provinz Messina nach Palermo versetzt.

Frauen aus Entwicklungsländern schließen sich oft auch aus wirtschaftlichen Gründen der Kirche an. Hier sind sie materiell versorgt. Auffällig ist, dass von offizieller Seite keine Rede vom Wohl oder Wehe der Frauen ist. „Schade, dass so etwas passiert“, sagte Salvatore Riotta, Bürgermeister von Sant’Agata Militello, und bemängelte das Bekanntwerden der Nachricht. „Unsere Gemeinde ist fassungslos.“