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Polizei Fachleute gehen lieber in die freie Wirtschaft / Bekämpfung von Cyberkriminalität Teil der Beamten-Ausbildung / Delikte nehmen zu

Schwierige Suche nach Informatikern

„Ein grundlegendes Problem“ – so bezeichnet der stellvertretende Vorsitzende der rheinland-pfälzischen Polizeigewerkschaft GdP, Bernd Becker, die mangelnden Kenntnisse von Polizisten im Bereich Cyber-Kriminalität. „Wir versuchen, Schritt zu halten“, sagt er gestern auf Anfrage. „Aber ich würde nicht behaupten, dass uns das gelingt.“

Dieses Problem sollte eigentlich ganz einfach zu lösen sein: Laut Becker müssten Informatiker, also IT-Spezialisten, eingestellt werden. Seine Kritik an der Politik ist aber trotzdem verhalten. „Das Geld fehlt“, sagt er. „Für einen Hochschulabsolventen kann es ja vielleicht interessant sein, für die Polizei zu arbeiten. Das Gehalt im öffentlichen Dienst macht das Ganze dann aber wieder unattraktiv.“ Die freie Wirtschaft sei da lukrativer. Konzepte würden bereits entwickelt, erklärt er. „Und wir als Polizei sehen natürlich auch nicht untätig zu.“ Damit meint Becker allgemeine Grundqualifikationen, die heutzutage jeder Polizist besitzen muss. „Alltagsdelikte, wie etwa das geknackte Ebay-Konto, muss jede Polizeidienststelle als Anzeige aufnehmen können.“ Das Problem entstünde dann bei den Ermittlungen – hier fehle das Fachwissen.

Schwerpunkt Internet

Dieses Fachwissen erwerben Anwärter in Polizeischulen – die Ausbildung ist aber Ländersache. In Rheinland-Pfalz gibt es seit 2018 einen Schwerpunkt in diesem Bereich. „Cybercrime und digitale Ermittlungsführung“ heißt die Unterrichtseinheit, teilt der Sprecher des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, Joachim Winkler, auf Anfrage mit. „In diesem Zusammenhang wurde auch der inhaltliche Anteil des Themas von 81 auf 92 Lehrveranstaltungsstunden erhöht“, sagt er.

In Baden-Württemberg gibt es seit 2014 den Studiengang „Sonderlaufbahn Cyberkriminalisten“. Laut Renato Gigliotti, einem Sprecher des Stuttgarter Innenministeriums, werden hier Menschen vom Arbeitsmarkt mit IT-Erfahrungen rekrutiert, die dann eine studentische Ausbildung zum Polizeihauptkommissar machen. In Teilen wird der Bereich Internetkriminalität auch in der üblichen Polizeiausbildung gelehrt, so Gigliotti. „Vermehrt jedoch im Studium – also der Ausbildung für den gehobenen Polizeidienst.“

Das hessische Innenministerium konnte die Anfrage zu Studieninhalten von angehenden Polizisten gestern nicht beantworten.

Die GdP hofft nun auf eine positive Nebenwirkung – nämlich, dass sich der jetzige Hacker-Skandal auf die Haushaltsplanung des Innenministeriums auswirkt. „Vielleicht führt der Daten-Klau bei Politikern nun zu einer Betroffenheit, die wir vorher nicht herstellen konnten“, so Becker. „Täglich werden Menschen im Internet beklaut – das interessiert niemanden. Und wir weisen seit Jahren darauf hin, dass dieser Deliktbereich wächst.“

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