Welt und Wissen

Sehnsucht nach mehr Wohlstand

In Umfragen geben mehr als 70 Prozent der jungen Senegalesen an, sie wollten ihr Land verlassen. Nicht alle tun es, aber die Sehnsucht nach mehr Wohlstand, einer Perspektive, einem interessanten Job ist groß. Geträumt wird auch von dem Ansehen, das Auswanderern in der Heimat gewiss ist – wenn sie Erfolg haben. Ansonsten droht ein Gefühl der Schande.

„Migration erklärt sich nicht nur aus Not und Elend, sondern aus Hoffnung und Entdeckergeist“, sagt der Migrationsforscher Papa Demba Fall, der an der Universität Cheikh Anta Diop in Dakar unterrichtet. „Unsere jungen Leute verfolgen die Bundesliga und die Premier League, sie wollen in Oxford oder Heidelberg studieren. Und danach auch etwas mit ihren Diplomen anfangen können.“

Migration als Wirtschaftsfaktor

Auch gilt Migration als wichtiger Wirtschaftsfaktor: Rund zehn Prozent des senegalesischen Bruttoinlandsproduktes – also über eine Milliarde Euro– ist Geld, das die Diaspora aus dem Ausland schickt und mit dem Infrastrukturen finanziert werden. Es ist durchaus im Interesse der Regierung, wenn Menschen anderswo Erfolg haben.

Die europäischen Staaten wiederum suchen insbesondere seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen seit 2015 Wege, Migration gerade aus sicheren Staaten wie dem Senegal einzudämmen. Einer der Hauptansatzpunkte ist die Bekämpfung der Fluchtursachen – also die Verbesserung der Situation im Land.

Informationen vor Ort

Auch die Aufklärung über realistische Aussichten in Europa gehört dazu, sagt Friederike von Stieglitz, Leiterin des Büros in Dakar der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Zu diesem Zweck hat die GIZ Ende Januar ein senegalesisch-deutsches Informationszentrum für Arbeit, Migration und Wiederintegration gegründet. Migration gelte im Senegal als klassischer Weg des sozialen Aufstiegs und erhöhe den sozialen Status, sagt sie – doch paradoxerweise würden reguläre, legale Wege selten genutzt: „Wir dienen als Anlaufstelle für gesicherte Informationen und bieten konkrete Zukunftsperspektiven an.“ Diese könnten aber eben auch im Land selbst gefunden werden, wenn das Projekt eines Studiums, einer Ausbildung oder eines Jobs in Europa nicht umsetzbar sei.

Da die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen im Senegal bei 30 Prozent liegt, arbeite man auch mit Regionalhochschulen zusammen, fördere Kooperationen mit der Wirtschaft und unterstütze bei der Gründung von Start-ups. olz