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Darknet Kriminelle können beinah völlig anonym agieren und ihre Spuren verwischen / Plattform für den Handel mit Waffen und Drogen

So funktioniert das verborgene Netz

Stimmt der Verdacht der Staatsanwaltschaft, dann war Alexander U. einer der Großen im Darknet. Er soll eines der meist besuchten deutschen Foren im versteckten Teil des Internets betrieben haben.

Was genau ist überhaupt das Darknet?

Das Darknet (dunkles Netz) ist eine Art versteckter Teil des Internets. Im Darknet können sich Nutzer völlig anonym bewegen. Keiner weiß, wer man ist und welche Seiten man besucht. Längst haben deshalb Kriminelle die dunkle Seite des Internets für sich entdeckt, um etwa mit Waffen, Drogen oder Menschen zu handeln.

Wie funktioniert das Darknet genau ?

Eigentlich funktioniert das Darknet nicht viel anders als das normale Internet. Webseiten werden wie im normalen Netz auf Servern gespeichert, also Computersysteme, auf denen die entsprechenden Daten abgelegt sind. „Im Darknet sind jene Server aber speziell gesichert“, erklärt Roland Bless vom Karlsruher Institut für Technologie. Der Zugang zu den Seiten werde zum Beispiel durch Passwörter geschützt, um ungebetene Gäste, zum Beispiel Ermittlungsbehörden, draußenzulassen.

Wie erhält man Zugang zum Darknet?

Da liegt der Knackpunkt: Webseiten im Darknet lassen sich nicht einfach per Google anwählen. Zunächst einmal braucht man einen speziellen Browser, also ein Programm, mit dem sich die Internetseiten anwählen und anzeigen lassen. Diese Browser gehen nicht den direkten Weg ins Internet, sondern wählen sich über mehrere Server ein. „Das hat den Sinn, die Spur des Nutzers zu zerstreuen“, sagt Bless. In etwa so, als wenn man mit dem Auto von Mannheim nach Frankfurt fährt, dabei jedoch den Umweg über Mainz wählt, um von dort ab das letzte Stück des Weges mit dem Zug zu fahren. Über mehrere Stationen wird die Spur verwischt und Anonymität hergestellt.

Auf was genau stößt man im Darknet?

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Im Darknet tummeln sich Nutzer, die lieber keine Aufmerksamkeit erregen wollen. Das könnten etwa Menschen sein, die sich mit anderen über Suizidgedanken austauschen, so Bless. Oder eben Kriminelle, welche die Anonymität nutzen, um mit Drogen oder Waffen zu handeln.

Ist das Besuchen dieser Seiten illegal?

Nein. Die Nutzung der speziellen Browser ist nicht illegal. Jedoch gibt es Inhalte, deren Betrachtung verboten ist, pornografische Bilder zum Beispiel.

Ist das Darknet durchweg kriminell?

„Sicher nicht“, sagt Bless. In Diktaturen nutzten Journalisten das Darknet, wenn sie beim Recherchieren unentdeckt bleiben wollen.

Wie kann man gegen Kriminelle ermitteln?

„Ermittlungen sind extrem schwierig“, so Bless. Eben weil die Spuren verwischt und Nutzer sich in Foren hinter fiktiven Namen verbergen würden. Ermittler könnten aber zum Beispiel über Zahlungen auf Kriminelle aufmerksam werden, etwa beim Handel mit Waffen.

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