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Sohn kontaktierte Wikileaks

Washington.US-Justizminister Jeff Sessions räumte bei der mit Spannung erwarteten Anhörung zur Russland-Affäre erneut ein, Probleme mit dem Erinnern zu haben. Ein Treffen im März 2016 mit dem damaligen außenpolitischen Berater Trumps, George Papadopoulos, habe er nicht absichtlich ausgelassen. Umso sicherer zeigte sich Session, dass er die von Papadopoulos vorgetragene Idee eines Gipfels mit Wladimir Putin "abgeschossen" habe. Papadopoulos gehört zu den ersten in der Russland-Affäre angeklagten Mitarbeitern des Trump-Teams.

Der Justizminister äußerte sich auch zu Spekulationen über einen zweiten Sonderermittler, der sich mit Hillary Clinton befassen soll. "Jede Entscheidung über Ermittlungen wird ohne Rücksicht auf Politik, Ideologie oder Voreingenommenheit getroffen." Der führende Demokrat im Rechtsausschuss, John Conyers, hatte zuvor den Verdacht politischer Justiz geäußert. Auch der ehemalige Justizminister George W. Bushs, Michael Mukasey, warnt vor einem Tabu-Bruch. Der frühere Sprecher des Clinton-Teams, Brian Fallon, wertet den Vorstoß als Ablenkungsmanöver, "um von den vernichtenden Details von Donald Trumps jr. Kontakten zu Wikileaks" abzulenken."

Ein investigativer Bericht des Magazins "The Atlantic" veröffentlichte Einzelheiten eines direkten Schriftwechsels via Twitter zwischen dem Präsidenten-Sohn (Bild) und Wikileaks. Dieser begann auf dem Höhepunkt des Wahlkampfs am 20. September 2016 und endete im Juli dieses Jahres. Trump bestätigte die Richtigkeit des Berichts des "Atlantic", indem er seine Kommunikation mit der Plattform unter Druck selber ins Netz stellte. CIA-Direktor Mike Pompeo kategorisiert Wikileaks als "nicht-staatlichen, feindlichen Geheimdienst, der von staatlichen Akteuren wie Russland gebraucht wird".

Die Plattform veröffentlichte E-Mails von Hillary Clinton und der Demokratischen Partei, die nach Erkenntnissen der US-Spionageabwehr russische Hacker im Sommer 2016 gestohlen hatten. Der Trump-Freund Roger Stone und der britische Rechtspopulist Nigel Farage standen bereits vorher im Verdacht, als Verbindungsleute zu Wikileaks fungiert zu haben. Aus dem Schriftwechsel geht hervor, dass sich auch der Präsidentensohn mit der von Russland gebrauchten Plattform abstimmte. "Hey Donald, es ist großartig, dass du und dein Vater über unsere Veröffentlichungen sprecht," lobt der Schreiber einer Direktnachricht vom 12. Oktober Donald Trumps Werbung für die Plattform bei einer Kundgebung zwei Tage vorher ("Ich liebe Wikileaks"). "Ich empfehle ausdrücklich, dass dein Vater diesen Link twittert, wenn er uns erwähnt." Trump junior verbreitete den Link wlsearch.tk zwei Tage später via Twitter. Am Wahltag selbst schlug Wikileaks vor, im Fall einer Niederlage die Gültigkeit des Wahlausgangs anzufechten. Im Dezember 2016 empfahl der Schreiber, den australischen Wikileaks-Gründer Julian Assange zum US-Botschafter zu ernennen. 

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