Welt und Wissen

Soziale Abschottung auch im Westen bekannt

„Hikikomori“ gilt als japanisches Phänomen. Die Weltgesundheitsorganisation führt in ihrer jüngsten Krankheitsklassifizierung (ICD-10) aber eine ähnliche Symptomatik als Sozialphobie oder als ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung auf. Eine vergleichbare Form des Rückzugs stellen sogenannte NEETs dar (Not in Education, Employment or Training). Mit dieser in Großbritannien entstandenen Abkürzung werden Personen bezeichnet, die weder arbeiten, studieren noch sich weiterbilden wollen.

Nach Angaben des Goethe-Instituts sind in Deutschland fünf bis zehn Prozent der Jugendlichen von Sozialphobie betroffen. Sie vermeiden soziale Kontakte aus Angst, von ihren Mitmenschen bewertet zu werden. Das kann im schlimmsten Fall zu einem totalen Rückzug aus der Gesellschaft ins Kinderzimmer des Elternhauses führen. Laut einer europäischen Studie über Menschen, die extrem zurückgezogen leben, leiden die meisten von ihnen unter Ängsten, Depressionen oder Psychosen. Eine Gruppe spanischer Psychiater zeichnete zwischen 2008 und 2014 insgesamt 190 Fälle auf. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass im Gegensatz zur japanischen Form des Hikikomori ein extremer sozialer Rückzug in Europa eher als Folge anderer psychischer Störungen zu beobachten ist. d ir