Welt und Wissen

Studie beleuchtet Leben

Der Junge, ein Korse in Frankreich, ist klein und zurückhaltend. Seine Größe und „sein unzulängliches, korsisch eingefärbtes Französisch macht ihn zur Zielscheibe des Spotts“. Seine schulischen Leistungen sind in Ordnung, aber nicht brillant. „Latein interessiert ihn nicht, Deutsch, das von einem Monsieur Bauer unterrichtet wird, noch weniger.“ Geschichte und Mathematik sagen ihm schon eher zu, heißt es in der Napoleon-Biografie, die der Journalist und Historiker Günter Müchler zum 250. Geburtstag Napoleons vorgelegt hat.

Müchler beschreibt Herkunft, Aufstieg sowie Niedergang und Ende Napoleons auf der Insel Sankt Helena. 15 Jahre genügen dem Korsen, um die Welt zu verändern. Die Spuren seiner Feldzüge sind in den besetzten Ländern heute noch zu sehen. Bayern rühmt sich seiner liberalen Verfassung, die nach Darstellung von Fachleuten Anregungen von Napoleon übernommen hat. Und die Rheinländer waren nicht sehr begeistert, als statt der Franzosen Anfang des 19. Jahrhunderts die Preußen bei ihnen einzogen.

Begeisterung und Abscheu

„Sein Charisma überwältigt; magische Kräfte werden ihm zugeschrieben“, erzählt Müchler. Denn die Welt versteht nicht, was in diesen Jahren an Ereignissen über sie gekommen ist. Größen wie Johann Wolfgang von Goethe biederten sich bei ihm an. Alexander von Humboldt wollte nach der Rückkehr von seiner Südamerika-Expedition (1799-1804) lieber vom liberalen Paris aus seine Forschungsergebnisse verbreiten als von Berlin. Viele deutsche Intellektuelle begrüßten Napoleon, auch wenn sie sich später mit Schrecken von Napoleon ab- und dem deutschen Nationalismus zuwandten.

Müchler hilft, das Phänomen Napoleon zu verstehen. Detailreich, aber keineswegs langatmig beschreibt er das Leben, gibt Erklärungen und ordnet die Entwicklungen in den europäischen Zusammenhang ein. Es sind diese Detailschilderungen und Einordnungen, die das Buch spannend halten.