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Hilfsorganisationen Präsident eines Verbundes nicht staatlicher Organisationen spricht über sein Leben in ständiger Angst / Analyst kritisiert Staatschef

„Trend zu diktatorischen Verhältnissen“

Mogadischu.Mohamed Dini ist beunruhigt. Der 55-jährige, kräftige Mann spricht leise, er will unerwünschten Zuhörern das Belauschen des Gesprächs erschweren. Dabei findet die Unterredung ohnehin abseits der anderen Hotelgäste statt, und ein UN-Hubschrauber, der auf dem benachbarten Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu mit laufenden Rotoren steht, übertönt fast jedes Wort.

„Es ist extrem gefährlich, in Somalia Geschäfte zu machen“, sagt der Immobilienhändler. „Und es gibt höllisch viele Schwierigkeiten.“ Er werde fast täglich bedroht, sagt er. „Das ist ganz normal bei Leuten wie mir, die trotz allem den Mund aufmachen.“ Das zu tun, versteht er aber als seine Aufgabe, Risiken hin oder her. Denn seit Dezember 2016 ist Dini ehrenamtlich der Präsident von Soscensa, dem größten Verbund nicht staatlicher Akteure in Somalia. Dazu gehören Menschenrechtsgruppen oder Hilfsorganisationen, aber auch Berufsverbände beispielsweise von Ärzten oder Ingenieuren, Universitäten und Geschäftsleuten.

Dini ist ganz offensichtlich froh, wenn er sein Amt im Dezember 2018 an einen Nachfolger übergeben kann – sollte er bis dahin überleben. Bedroht fühlt er sich keineswegs nur von den Islamisten, sondern auch von der Regierung. Oder von geschäftlichen Konkurrenten. Und auch von Menschen, die politisch eine andere Meinung haben als er. Vor zehn Monaten entwischte Dini schwer bewaffneten Killern nur mit besonders viel Glück. „Es ist schwer zu sagen, wer dahinter steckte“, meint Dini. „Aber selbst wenn ich eine Idee hätte, würde ich das Ihnen nicht sagen – das wäre für mich viel zu gefährlich.“

Meinungsfreiheit eingeschränkt

Von der aktuellen Regierung unter Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed, der seit Februar des vergangenen Jahres im Amt ist, ist er zutiefst enttäuscht. Der Somalier, der auch einen US-amerikanischen Pass hat, galt zunächst als Hoffnungsträger. Aber unter ihm sei der Spielraum der zivilen Gesellschaft noch sehr viel enger geworden, meint Dini: Presse- und Meinungsfreiheit würden massiv beschnitten, Journalisten bedroht. Dini ist mit dieser Kritik nicht der Einzige. „Der Trend zu diktatorischen Verhältnissen ist nicht zu übersehen“, meint auch Hassan Sheikh Ali Nur, ein unabhängiger Analyst. Beispielsweise musste Parlamentspräsident Mohamed Osman Jawari im April unter dem massiven Druck des Präsidenten zurücktreten, nach einer monatelangen politischen Krise. „In welcher Demokratie bestimmt der Staatspräsident den Präsidenten des Parlaments?“, fragt Nur rhetorisch.

Abdi Dorre sieht das ebenso, der Geschäftsführer der somalischen Handelskammer. Zudem habe „Farmajo“ in seiner Amtszeit bislang nichts bewegt, außer die Repression zu verschärfen.