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Frankreich Staatschef kündigte vor zwei Jahren die Rückgabe von Ausstellungsstücken nach Afrika an – bisher ohne Folgen

Über die Heimat von Kunstwerken

Von einer neuen Ära war die Rede, von einem Neustart und einer neuen Beziehungsethik. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat vor nunmehr fast zwei Jahren Afrika versprochen, dem Kontinent seine geraubten Objekte zurückzugeben. „Ich will, dass innerhalb von fünf Jahren die Bedingungen für temporäre oder definitive Rückgaben afrikanischer Kulturgüter vereint sind.“ Dies verkündete Macron am 28. November 2017 in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso.

Demnach sollte die erste Phase, die die Rückgabe einiger besonders symbolischer Objekte aus französischen Sammlungen vorsieht, im November 2019 abgeschlossen sein sollen. Bisher ist nichts geschehen.

Nachdenken über „Zirkulation“

Hat Frankreich angesichts der Panik seiner aufgebrachten Museums- und Kunstwelt kalte Füße bekommen? Die Angst vor leeren Museen ging um, denn 90 Prozent des Kulturerbes von Afrika südlich der Sahara soll sich außerhalb des Kontinents befinden. Allein in Frankreichs Museen sollen bis zu 90 000 Artefakte aufbewahrt werden, rund 70 000 davon im Museum für außereuropäische Kunst, dem Musée du Quai Branly.

Auf einem Anfang Juli abgehaltenen Forum über afrikanisches Kulturgut vereinte Frankreichs Kulturminister Franck Riester rund 200 Museumsdirektoren, Anthropologen und Archäologen aus Frankreich, dem übrigen Europa und aus Afrika. Er rief sie zu einem Nachdenken über eine „Zirkulation“ der Kulturgüter auf. Man wolle, dass die französischen Museen ihre Beziehungen mit Afrika intensivieren und ihre Meisterwerke teilen und leihen, erklärte der Politiker.

Von einer generellen Restitution war keine Rede mehr. „Die neue Kooperationspolitik, die wir gemeinsam aufbauen müssen, kann sich nicht auf die einzige Frage nach den Rückgaben beschränken“, ist auf der Homepage des französischen Kulturministeriums nachzulesen.

Im Gegensatz dazu hat sich Deutschlands Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) Anfang des Jahres für eine aktive Restitution ausgesprochen. Nur abzuwarten, bis jemand etwas zurückhaben wolle, sei nicht der richtige Weg, um die koloniale Vergangenheit Deutschlands aufzuarbeiten, sagte sie.

Der Deutsche Museumsbund (DMB) hat Anfang Juli seinen zweiten Entwurf eines Leitfadens zum Umgang mit Sammlungen aus kolonialen Kontexten veröffentlicht.

Dieser sieht mehr finanzielle und personelle Mittel für die Provenienzforschung vor. Er setzt aber auch mehr auf Wissensaustausch und digitale Lösungen statt auf eine konsequente Restitutionspolitik. Rückgaben seien zwar grundsätzlich möglich, jedoch von den rechtlichen Voraussetzungen vom jeweils für die Einrichtungen geltenden Bundes-, Landes- und Organisationsrecht abhängig, heißt es.

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