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Interview Bürgerbewegung Aufbruch lehnt Pläne zum Opernbau ab / Kosten aktuell auf 700 bis 900 Millionen Euro geschätzt / Ehemaliger TV-Moderator Wieland Backes sorgt sich um Bau

„Und der Rest des Quartiers geht leer aus“

Der ehemalige SWR-Moderator Wieland Backes bangt um den denkmalgeschützten Littmann-Bau.

Herr Backes, Aufbruch kritisiert die Generalsanierung des Opernhauses. Wieso?

Backes: Nach Planungsstand soll eine Außenwand für den Einbau einer Kreuzbühne eingerissen und versetzt werden. Das ist ein schwerer Eingriff in den denkmalgeschützen Littmann-Bau. Es ist jetzt schon klar, dass die Wand nicht im alten Stil wiederaufgebaut werden soll. Der Umbau bei diesem „Plan A“ birgt extreme bauliche Risiken, man weiß nicht, was auf einen zukommt. Die Kosten für die Sanierung des Opernhauses werden auf 700 bis 900 Millionen Euro geschätzt.

Wie lautet Ihr Vorschlag?

Backes: Wir nennen das unseren „Plan B“. Dabei soll das Opernhaus in seiner historischen Qualität erhalten und weiterhin als Hauptstätte für Oper und Ballett genutzt werden. Wir plädieren zusätzlich für den Neubau einer Spielstätte an der Königstraße oder am Gebhard-Müller-Platz – ein Konzerthaus oder ein „Haus der Musik“, wie wir es nennen. Dieser Neubau soll nach der Fertigstellung zunächst als Interimsspielstätte während der Zeit der Opernsanierung genutzt werden. So würden 100 Millionen Euro für ein später wieder abzureißendes Interim gespart. Und das Konzerthaus kann eventuell auch für Operninszenierungen mitgenutzt werden.

Ein Interimsort bei Plan A steht noch nicht fest. Auch eine Kostenaufstellung lässt auf sich warten.

Backes: Ich finde die Verzögerungen bei der Kostenermittlung hochproblematisch. Es kann doch nicht sein, dass die Baubehörde des Landes Jahre dafür braucht und gleichzeitig ohne eine seriöse Basis Beschlüsse gefasst werden – und die mehr oder weniger hinter verschlossenen Türen. Bei einem Projekt dieser Größenordnung muss man die Bürger mitnehmen. Das verstehe ich nicht unter „Politik des Gehörtwerdens“.

Seit einiger Zeit wird über ein neues Kulturquartier im Zentrum Stuttgarts gesprochen. Spielen Ihre Vorschläge hierbei eine Rolle?

Backes: Eine Mehrheit des Gemeinderats hat für eine Begutachtung unseres Plans gestimmt. Wir vertrauen OB Fritz Kuhn, dass das auch geschieht – mit gleicher Sorgfalt und Gründlichkeit wie Plan A. Wir wünschen uns, dass eine maßvolle Sanierung bald beginnen kann, denn die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten der Oper sind mehr als grenzwertig. Aber es darf nicht nur um die Sanierung eines einzelnen Gebäudes gehen, und der Rest des Quartiers geht leer aus. Wir wollen ein attraktiveres Kulturquartier.

Der OB möchte in diesem Jahr die Beschlüsse fällen. Denken Sie, der Zeitrahmen wird eingehalten?

Backes: Ja, das ist möglich, und die Verwaltung spürt den Erwartungsdruck. Jetzt müssen Beschlüsse fallen – hoffentlich unter fairer Behandlung unserer Vorschläge. mica

Das Interview wurde telefonisch geführt und zur Autorisierung vorgelegt.

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