Welt und Wissen

Finanzierung Von den zugesagten Wiederaufbaumitteln in Höhe von 850 Millionen Euro sind erst neun Prozent überwiesen / Debatte über soziale Ungleichheit

Versprochene Spenden lassen auf sich warten

Paris.Dass Notre-Dame am Abend des 15. April in Flammen stand, führte zu einer immensen Erschütterung und Anteilnahme weltweit – und zu einer großen Bereitschaft vieler Menschen, Firmen oder Gemeinden, etwas zum Wiederaufbau beizutragen. Innerhalb von wenigen Tagen sammelten vier verschiedene Stiftungen oder Vereine sowie der französische Staat eine Gesamtsumme von 850 Millionen Euro aus Frankreich wie auch dem Ausland ein – wohlgemerkt handelte es sich um Versprechen. Die Regierung beschloss sogar, dass Spenden bis 1000 Euro anstatt zu 66 Prozent sogar zu 75 Prozent steuerlich absetzbar sind.

Tatsächlich überwiesen wurden bislang allerdings nur 80 Millionen Euro, also rund neun Prozent. Die Großindustriellen Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy), und François-Henri Pinault, Besitzer des Luxuskonzerns Kering, sowie die Familie Bettencourt-Meyers, Erbin des L‘Oréal-Konzerns, kündigten an, die jeweils versprochenen 200 beziehungsweise 100 Millionen Euro nach und nach zu überweisen – andernfalls anfallende Zinseinnahmen wollen sie dem französischen Staat nicht schenken. Die Bereitschaft der französischen Geldelite, für ein historisches Gebäude so viel Geld freizumachen, während im Land heiße Diskussion über soziale Ungleichheit laufen, sorgte durchaus für Kritik. Aber auch der britische Besteller-Autor Ken Follett versprach 100 000 Dollar sowie die Erlöse seines Hommage-Buchs an Notre-Dame als Spenden.

Angesichts der versprochenen Summen machten mehrere französische Kommunen, die schon Geld zugesagt hatten, einen Rückzieher. Es wurden Stimmen laut, die forderten, andere verfallende und weniger prominente historische Bauwerke des Landes zu unterstützen. In anderen müssen erst noch die Gemeinderäte darüber abstimmen, ob die versprochenen Gaben für die Kathedrale auch freigemacht werden. Der Stiftung Notre-Dame zufolge dürfte „der Gesamtbetrag, der für die Restaurierung notwendig ist, bis zum Frühling 2020 unbekannt bleiben”.