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Vielfalt ist hierzulande Normalität

Archivartikel

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hatte im Jahr 2018 jede vierte Person in Deutschland einen Migrationshintergrund – das entspricht einem Anteil von 25,5 Prozent bei einer Gesamtbevölkerung von 81,6 Millionen Menschen im Bundesgebiet.

Unter den insgesamt 20,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund waren mehr Deutsche (10,9 Millionen) als Ausländer (9,9 Millionen). Aktuellere Zahlen lagen im Februar 2020 nicht vor. Wie Destatis weiter mitteilte, entsprach dies einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 2,5 Prozent (2017: 20,3 Millionen).

Diese Zahlen beruhen auf dem Mikrozensus. Dabei handelt es sich um eine Stichprobenerhebung, bei der jährlich rund ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland befragt wird. Um aus den erhobenen Daten Aussagen über die Gesamtbevölkerung treffen zu können, werden die Daten hochgerechnet.

Türken größte Gruppe

Eine Person hat nach der Definition Destatis zufolge einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.

Das gilt somit für Zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-)Aussiedler, Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Adoption oder einen deutschen Elternteil erhalten haben und Kinder der zuvor genannten Gruppen. Diese Charakteristika trafen 2018 auf jede vierte Person in Deutschland zu.

Im Jahr 2018 lebten 95,3 Prozent der Personen mit Migrationshintergrund in Westdeutschland und Berlin. Die meisten Personen mit Migrationshintergrund stammten aus der Türkei (13,3 Prozent), gefolgt von Polen (10,8), Russland (6,6), Rumänien (4,6) und Italien (4,2). Kasachstan und Syrien waren mit Anteilen von 6,0 beziehungsweise 3,9 Prozent die wichtigsten nicht-europäischen Herkunftsländer. Nicht berücksichtigt waren in dieser Zählung Menschen, die in Sammelunterkünften lebten, etwa als Asylbewerber. Somit werden Flüchtlinge nur mitgezählt, wenn sie in einem Privathaushalt leben.

Kommunen zählen anders

Auch in Kommunen wird der Anteil der Bürger mit Migrationshintergrund gezählt. Allerdings gibt es kein einheitliches Zählsystem. In Mannheim wird der Migrationshintergrund auf Grundlage der Informationen erhoben, die im Melderegister vorliegen. Die Definition sieht etwas anders aus als bei Destatis: Ebenfalls gelten Ausländer, eingebürgerte Deutsche und Aussiedler als Einwohner mit Migrationshintergrund. Aber Kinder, von denen ein Elternteil einen Migrationshintergrund besitzt, haben statistisch mit Erreichen der Volljährigkeit keinen Migrationshintergrund mehr und spielen somit in der Mannheimer Erhebung keine Rolle mehr. Vorausgesetzt, diese Person ist selbst nicht zugewandert. Jeffrey Yeboah, der mit uns über Alltagsrassismus gesprochen hat, würde somit in der kommunalen Statistik nicht auftauchen. In der Quadratestadt hatten 2018 44,7 Prozent aller Einwohner einen Migrationshintergrund, also fast jeder zweite.

Mannheim ist auch Standort einer Landeserstaufnahmestelle (LEA). Flüchtlinge wurden hier mit Hauptwohnsitz angemeldet und in die kommunale Statistik mit einbezogen. dls

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