Welt und Wissen

Chronologie Seit mehr als 20 Jahren befasst sich die Stadt Ludwigshafen mit den Sanierungen der Hochstraßen / Kosten bei beiden Brückenvorhaben explodieren

Vom Modellprojekt zum Problemfall

Archivartikel

Als „zukunftweisend für Deutschland, wenn nicht sogar für Europa“ hatte vor 60 Jahren der damalige Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm (CDU) bei der Eröffnung die Hochstraße Süd in Ludwigshafen bezeichnet. Aus dem Modellfall ist aber mittlerweile ein schwer kalkulierbarer Sanierungsfall geworden. Das ursprüngliche Konzept ist im Frühjahr dieses Jahres gescheitert. Damit war auch die Absicht nicht mehr zu halten, wonach die Südtangente – als Ausweichstrecke für die ebenfalls marode Hochstraße Nord – als erste der beiden Verkehrsadern saniert werden sollte.

2016 war eigentlich eine übliche Instandsetzung auf der 1,5 Kilometer lange Hochstraße Süd für etwa 25 Millionen Euro vorgesehen. Ähnlich wie in den 1980er Jahren, als neben der Betonsanierung neue Abdichtungen und zusätzliche Querkraftkopplungen eingebaut wurden. Eine genaue Überprüfung ergab jedoch, dass die Schäden sehr viel gravierender geworden waren. Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) stellte 2018 mit Verweis auf Fachleute ein Galeriebauwerk als „alternativlose Lösung“ vor. Dabei sollte eine massive Konstruktion unter die bestehende Hochstraße geschoben werden.

Das Stützbauwerk sollte 120 Millionen Euro kosten – fast fünfmal so viel wie geplant. Alle Fraktionen lehnten diese Variante aber aus einem anderen Grund ab – weil die „Chinesische Mauer“ zwei Stadtteile zerschneiden würde. Ein neues Konzept ist nun erst einmal nicht in Sicht, wegen der technischen Schwierigkeiten aufgrund der einzigartigen pilzförmigen Pfeiler. Deshalb entschied sich die Stadtverwaltung im März für eine Kehrtwende. Zuerst kommt die Hochstraße Nord dran – dann erst die Südtangente.

Zuletzt 529 Millionen Euro

Lange Zeit war die Hochstraße Nord das größte Sorgenkind für das Baudezernat. Bereits vor rund 20 Jahren war eine Sanierung unstrittig. Im Mai 2010 kam der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zum Ortstermin. Danach signalisierte der Bund 50 Millionen Euro Zuschuss – bei damaligen Gesamtkosten von 150 Millionen Euro. Seitdem hat sich das Vorhaben auch in einem anderen Punkt grundlegend geändert. Während früher eine Generalsanierung der Hochstraße Nord beabsichtigt war, muss das Bauwerk nach Ansicht von Experten abgerissen werden.

2014 entschied sich der Stadtrat mit großer Mehrheit für eine ebenerdige Straße. Mittlerweile rechnet die Verwaltung mit Kosten von 275 Millionen Euro. Der Bund hatte 2017 einen Zuschuss von 154 Millionen Euro signalisiert. Rheinland-Pfalz bezifferte seinen Beitrag auf 64 Millionen Euro. Nur: Der frühere Kämmerer Dieter Feid (SPD) hielt Ende 2018 mit Verweis auf generell steigende Baukosten 529 Millionen Euro für denkbar. Wie dies finanziert werden soll, ist völlig unklar.

Ab Ende 2023 soll der Abriss der Nordtangente beginnen, so der aktuelle Zeitplan, der jedoch in der Vergangenheit schon mehrfach korrigiert wurde. Weil auch ein Ende des Planfeststellungsverfahrens bislang nicht in Sicht ist, bleiben weiter Fragezeichen hinter dem Zeitplan für die Hochstraße Nord. Auf rund acht Jahre schätzt die Verwaltung jedenfalls die Bauzeit, um die 860 Meter lange ebenerdige Stadtstraße zu bauen. Dabei soll jeweils eine Fahrspur pro Richtung offen bleiben.

Zum Thema