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Weichere Trennung möglich

Archivartikel

London.Die radikalen Europa-skeptiker scheinen mit ihrem Widerstand gegen Theresa Mays mit der EU ausgehandeltes Brexit-Abkommen genau das Gegenteil dessen erreicht zu haben, was sie wollten. Denn die britische Premierministerin sieht nun offenbar eine Zusammenarbeit mit der Opposition als einzig möglichen Ausweg. Und Labour strebt eine weitaus engere Anbindung an die EU an. Alles läuft damit jetzt auf einen weicheren Brexit hinaus, eine Mehrheit hin zu einem Kompromiss, der den Verbleib in der Zollunion vorsieht, zeichnet sich ab.

Entsprechend wüteten die Hardliner bereits gestern Abend, doch sie haben viel an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ein Kommentator befand: „Die große Ironie ist, dass es die Brexiteers sind, die am Ende dafür verantwortlich sein könnten, wenn der EU-Austritt deutlich weicher ausfällt.“

Urteil: „Schuldig“

Oder dass die Partei gar zerbricht? Das Polit-Magazin ,,New Statesman“ zeigt auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe den Ex-Premier David Cameron, der das Brexit-Debakel eingeleitet hat mit der Entscheidung, ein Referendum abzuhalten, um parteiinterne Streitigkeiten beizulegen. Neben ihm der ambitionierte Brexit-Wortführer und Ex-Außenminister Boris Johnson, der viel von Patriotismus redet, vor allem aber in die Downing Street einziehen will. Die dritte im Bunde der Strippenzieher des vorherrschenden Chaos ist Regierungschefin May. Über den Fotos hat das Magazin in Großbuchstaben das Urteil gefällt: „Schuldig“. Es sind, wenn man so will, die Schlüsselfiguren der Tories, die das Land „an den Abgrund gebracht haben“, wie Kritiker monieren.

Selbst jene Europaskeptiker, die heute moderater auftreten, versprachen zu lange einen „Fantasie-Brexit“. Künftige Handelsdeals verhandeln? „Das Leichteste in der Menschheitsgeschichte“, versprach Handelsminister Liam Fox. „Am Tag nach dem Referendum halten wir alle Karten in der Hand und können den Weg wählen, den wir gehen wollen“, versicherte der heutige Umweltminister Michael Gove. Knapp drei Jahre nach dem Votum liegt Westminster politisch am Boden.

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