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Medien Gregor Mayntz, Chef der Bundespressekonferenz, zu der Bedeutung der Journalistenorganisation, der Schnelllebigkeit des Geschäfts und lohnenswerten Recherchen

„Wer danebengreift, dem wird nicht so schnell verziehen“

In den Abendnachrichten sieht man häufig Mitglieder des Politikbetriebs vor einer hellblauen Wand. Dann sitzen sie in der Bundespressekonferenz (BPK, siehe Karte). Die Besonderheit: Es handelt sich dabei um einen Verein aus Journalisten, der die Befragten einlädt, nicht umgekehrt. Vorsitzender der BPK ist Gregor Mayntz.

Herr Mayntz, welche Kriterien muss man erfüllen, um zur BPK eingeladen zu werden?

Gregor Mayntz: Alles, was eine gewisse bundespolitische Relevanz hat, sollte bei uns im Saal stattfinden. Wir können nicht jeden davon überzeugen, sich unseren Fragen zu stellen. Aber wir können es jedem nur empfehlen.

Lehnen Sie auch Anfragen ab?

Mayntz: Das kommt vor. Viele Organisationen wollen ihr Anliegen dadurch veredelt sehen, dass sie von der Bundespressekonferenz eingeladen werden. Wir müssen als Vorstand aber entscheiden, ob ein Thema nicht nur gut, sondern auch interessant genug für die Kollegen ist.

Häufig hat man den Eindruck, dass es für Journalisten gar nicht so viele Informationen zu holen gibt. Die Antworten der Sprecher wirken nicht selten einstudiert.

Mayntz: Die Regierungspressekonferenz in der BPK mit allen Sprechern hat verschiedene Funktionen. Kollegen, die für Radio und Fernsehen arbeiten, brauchen Originaltöne für ihre Beiträge. Und es gibt immer Aussagen, die Anlass zu Rückfragen geben. Es lohnt sich, während der Pressekonferenz nachzuhaken.

Wann ist das der Fall?

Mayntz: Besonders, wenn es innerhalb der Regierung, also zwischen Ministerien, unterschiedliche Meinungen gibt. Nach außen heißt es dann: Im Grundsatz sind wir uns einig, aber wir möchten das ergänzen. Das ist eine nette Umschreibung für: Wir streiten uns hinter den Kulissen wie die Kesselflicker.

Ist das politische Klima in Berlin rauer als woanders?

Mayntz: Durchaus. Das Klima in Berlin ist sehr professionell, aber auch gnadenlos. Wenn hier jemand einmal verbal danebengreift, wird das in Berlin so schnell nicht verziehen.

Sie haben bereits als Journalist gearbeitet, als Bonn noch die Hauptstadt der Bundesrepublik war. Was hat sich seitdem bei Ihrer Arbeit verändert?

Mayntz: Das Geschäft ist schnelllebiger geworden. In den 1970er Jahren wussten die Hauptstadtkorrespondenten, was am Monatsende noch Thema sein wird. In den 1990ern konnte man sich vorstellen, was am Ende der Woche noch relevant ist. Heutzutage kann man sich morgens nicht immer sicher sein, was am Ende des Tages noch relevant ist.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Arbeit von Journalisten und die der BPK?

Mayntz: Ich glaube, die BPK wird in diesem Zeitalter immer wichtiger. Weil vieles schneller gehen muss, wird verkürzt oder zugespitzt. Umso wichtiger ist es, dass man Zeit hat, nachzufragen und ein Gespür zu bekommen, was wirklich abläuft. Deshalb sind viele unserer Konferenzen nach wie vor gut besucht.

Gregor Mayntz hat das Interview telefonisch gegeben. Der Text wurde ihm vor Veröffentlichung vorgelegt.