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Wer ist Täter – und wer Opfer?

Seit 1995 ist der Krieg in Bosnien beendet. Aber die juristische Aufarbeitung dauert bis in die Gegenwart. Die Zahl der Todesopfer wird auf rund 100 000 geschätzt. Die meisten davon waren muslimische Bosniaken. Das größte Kriegsverbrechen begingen die Serben in Srebrenica. Sie töteten dort 8000 Menschen. Das UN-Tribunal in Den Haag führte Mammutprozesse gegen Slobodan Milosevic (serbischer Ex-Präsident), den ehemaligen Kopf der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, oder den General der bosnischen Serben, Ratko Mladic. 60 der 84 Verurteilten waren Serben.

Wie schwer es ist, die Opfer von den Tätern zu unterscheiden, wurde am Berg Igman deutlich. Auf einem Soldatenfriedhof trauerten Männer und Frauen. „Unsere Spezialeinheit kämpfte hier oben gegen die Serben“, sagte der Bosniake Kemal (48), der seinen ganzen Namen nicht nennen wollte. Er begrüßte einen Mann mit Pepitahütchen. „Das war unser Kommandant.“ Dieser stellte sich als Zulfikar Alispago vor. Fotografieren wollte er sich nicht lassen. Später wird klar, warum.

Vor Gericht: Zulfikar Alispago

Seine Einheit von 200 Mann habe gegen die serbische Übermacht gekämpft, sagte Alispago. Bei der Internet-Recherche stellte sich allerdings heraus, dass Zulfikar Alispago in Bosnien angeklagt ist, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. Seine Einheit soll in dem kroatischen Dorf Trusina (80 Kilometer westlich von Sarajevo) 19 Zivilisten und drei Soldaten getötet haben. Alispago wird vorgeworfen, er habe die Mitglieder seiner Einheit „Zulfikar“ für ihre Verbrechen nicht bestraft und sich damit selbst schuldig gemacht. Alispago wurde 2011 vorübergehend festgenommen. Der Prozess zieht sich seit Jahren, weil Alispago lange wegen Krankheit verhandlungsunfähig war. Seit kurzem läuft das Verfahren gegen ihn wieder. was