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Interview Experte lobt Engagement von Schülern und Studenten / Jugendliche kämpfen wieder für ihre Ideale / Diskussionen prägen ganze Familien

„Wir haben eine politisch interessierte Generation“

Ulrich Reinhardt, Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg, findet die Schülerproteste lobenswert, auch wenn dabei Unterricht ausfällt.

Herr Reinhardt, aktuell finden Schülerproteste für mehr Klimaschutz viel Resonanz. Wie lässt sich das einordnen?

Ulrich Reinhardt: Natürlich spielt auch das Happening als solches für die junge Generation eine Rolle. Dieses ist für viele attraktiver als zur Schule zu gehen. Nichtsdestotrotz haben wir jetzt eine Generation, die politisch interessierter ist als noch die Generation davor. Ich sehe das auch bei meinen Studierenden, noch vor zehn Jahren waren die Studenten oft unpolitischer und haben sich eher drauf konzentriert, ihr Studium schnell und erfolgreich abzuschließen. Gerade die Wirtschafts- und Finanzkrise hat zu Unsicherheit und Angst vor prekären Arbeitsverhältnissen geführt. Wenn ich die Studierenden heute sehe, sind diese eher pragmatisch, artikulieren aber trotzdem ihre Bedürfnisse, zum Beispiel Umweltthemen.

Einige Politiker kritisieren, dass die Demonstranten die Schule schwänzen ...

Reinhardt: Insgesamt verlangen wir doch von der jungen Generation, dass sie für ihre Ideale eintreten soll. Jetzt tut sie genau dies, und es ist auch wieder nicht recht. Stattdessen wird der Unterrichtsausfall thematisiert und es heißt, geht gefälligst in die Schule. Dabei ist es lobenswert und verlangt Unterstützung, wenn junge Menschen für etwas eintreten und an etwas glauben.

Werden die Proteste Bestand haben, sind sie nachhaltig?

Reinhardt: Es besteht durchaus die berechtigte Hoffnung, dass diese heutigen Studierenden an diesem Thema dranbleiben, schließlich geht es um ihre Zukunft. Allerdings heißt dies nicht, dass sich die junge Generation überdurchschnittlich umweltfreundlich verhält. Im Gegenteil, sie fliegt öfter in den Urlaub und konsumiert mehr als jede Generation vor ihr. Und auch wenn sie gern gesunde Lebensmittel kaufen möchte, scheitert dies oftmals an der Frage des Geldes.

Also Politisierung und Umwelt-Effekte nur in der Theorie?

Reinhardt: Diese Bewegung führt auch zu Diskussionen in der Familie. Und hierbei geht es nicht nur um das Schulschwänzen, sondern auch um die Frage: Was können wir als Familie für die Umwelt tun? Das ist ebenso wichtig wie förderlich. dpa