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Finanzen Durch den olympisch bedingten Bauboom in Tokio sind Materialien und Arbeitskräfte teuer geworden / Kritik, weil Projekte in Fukushima gestoppt werden müssen

„Wir könnten viel mehr Wiederaufbau leisten“

Der soziale Druck, „Tokio 2020“ zu unterstützen, sei so groß, dass sich viele nicht trauten, ihre wahre Meinung zu offenbaren. „Wer skeptisch gegenüber Olympia ist, dem wird unterstellt, dass ihm das Schicksal der Menschen in Fukushima und den anderen beschädigten Gebieten egal sei“, so Misako Ichimura. Dabei sei ihr Verein Hangorin nicht gegen die Unterstützung dieser Regionen, sondern gegen die Verwendung von Steuergeldern für Stadien in Tokio. „Wir könnten stattdessen noch viel mehr an Wiederaufbau leisten.“ Es sind Einschätzungen, die man hin und wieder hört, sobald ein Gespräch weiter geht als die Frage, ob man nun für oder gegen Olympia ist.

Nur wird darüber, wie die öffentlichen Ressourcen am klügsten zu verwenden wären und wie die seit 2011 beschädigten Gebiete am besten unterstützt werden könnten, kaum diskutiert, sobald es um Olympia geht. Das könnte unter anderem daran liegen, dass zu den Sponsoren von Tokyo 2020 jede der fünf auflagenstärksten Zeitungen im Land zählt. Diese wiederum sind jeweils im Besitz eines TV-Senders mit großer Reichweite. Im Fokus deren Berichterstattung steht jeweils die Vorfreude auf die Spiele.

Kaum erwähnt wurde etwa, dass in der Präfektur Fukushima sowie im weiter nördlich und durch den Tsunami beschädigten Miyagi Wiederaufbauprojekte gestoppt werden mussten. Wegen des olympisch bedingten Baubooms in Tokio sind Materialien und Arbeitskräfte so teuer geworden, dass in einigen entlegeneren Orten bald das Geld fehlte, um dort neue Stadtzentren und Sporthallen zu bauen.

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