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Wahlkampf Politiker Beto O’Rourke kritisiert die Einwanderungs- sowie Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump

„Wir sollten Migration als Plus verstehen“

Der Kandidat der Demokraten in den USA, Beto O’Rourke, möchte mit einer Politik punkten, die sich zum Thema Einwanderung positiv positioniert. Ein Gespräch über Handel, Präsident Donald Trump und O’Rourkes texanische Heimat.

Herr O’Rourke, Sie treten in einer republikanischen Hochburg für den Senat an, die Donald Trump mehrheitlich unterstützt. Wie wollen Sie hier Texas gegen den Amtsinhaber gewinnen?

Beto O’Rourke: Texas lässt sich vielleicht am besten als Nichtwähler-staat beschreiben. Wir liegen auf Platz 49 bei der Wählerbeteiligung. Einige Wahlbezirke sind hier so geschnitten, dass sich Minderheiten ausgegrenzt und entmutigt fühlen können. Wir müssen das überwinden. Deshalb gehen wir überall hin. Unser Wahlkampf richtet sich nicht gegen irgendjemanden oder gegen eine andere Partei. Wir wollen nur, dass alle Stimmen gehört werden.

Die Themen Einwanderung und Mauer spalten die Gesellschaft. Sie beziehen klar Position. Gefährden Sie damit nicht Ihre Chancen, in Texas gewählt zu werden?

O’Rourke: Als Texaner haben wir Einwanderungserfahrung und -geschichte in diesem Land. Die Stadt, die ich repräsentiere, liegt in einer der größten binationalen Regionen in der ganzen Hemisphäre, vielleicht sogar der Welt. El Paso selbst ist eine, wenn nicht sogar die sicherste Stadt in den USA. Nicht trotz, sondern weil wir eine Einwandererstadt sind. Wir sollten nicht länger in der Defensive bleiben oder uns dafür entschuldigen, wer wir sind. Stattdessen möchte ich unsere Erfahrung in ein neues Einwanderungsgesetz einbringen, das Migration als ein Plus versteht.

Wie stehen Sie zu der Handelspolitik des Präsidenten Trump?

O’Rourke: Keinem Bundesstaat wird durch die Handelspolitik des Präsidenten mehr geschadet als Texas. Unsere Bauern, unsere Hersteller, unsere Exporteure werden mit Zöllen konfrontiert, die den Verkauf ihrer Waren im Rest der Welt schwieriger macht. Sie sagen mir, selbst wenn dieser Handelskrieg einmal vorüber sei, trügen sie einen Schaden davon, weil viele Märkte dann weg seien. Es macht keinen Sinn, die EU oder Kanada anzufeinden und schlechte Beziehungen zu Mexiko zu haben, wenn wir China zur Rechenschaft ziehen wollen. Ich werde mich dafür starkmachen, dass wir Handelsbeziehungen haben, die unseren Farmern und Arbeitern helfen.

Sie betonen in Ihren Reden immer wieder die Notwendigkeit internationaler Partnerschaften und Verbündeter. Wie besorgt sind Sie über das Ansehen der USA?

O’Rourke: Angesichts der enormen Opfer, die so viele US-Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg gebracht haben, möchte ich sicherstellen, dass die Allianzen, die wir mit so vielen anderen in der Welt aufgebaut haben, seien es die Nato oder die Handelsbeziehungen zur Europäischen Union, nicht verschleudert werden. Wie können wir Kanada den Rücken kehren oder in einer Zeit höchster Sicherheit eine Mauer zu unseren Nachbarn im Süden bauen, die 30 Milliarden Dollar kostet, während sich unser Präsident Wladimir Putin anbiedert? Wir wollen unsere traditionellen Allianzen stärken und haben die Unterstützung der Menschen. Deshalb bin ich mehr ermutigt als entmutigt.