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Zumeist zwischen 16 und 21 Jahren

Archivartikel

Verlässliche Zahlen für das Ausmaß von Zwangsehen gibt es nicht, nur Annäherungen. Im November 2018 veröffentlichte der Berliner Arbeitskreis gegen Zwangsverheiratung die jüngsten Zahlen aus einer Umfrage bei rund 1000 Hilfseinrichtungen und Schulen in der Hauptstadt. Danach gab es 2017 in 570 Fällen Beratungen zum Thema Zwangsehe.

Die meisten Betroffenen waren Mädchen zwischen 16 und 21 Jahren mit arabischen und türkischen Wurzeln. Familien stammten aber auch aus kurdischen Gebieten, vom Balkan, aus Bulgarien und Rumänien. Es gab jüdische, jesidische und christliche Elternhäuser. Rund zwölf Prozent der betroffenen Mädchen waren sogar jünger als 16 Jahre. In einer kleinen Minderheit waren auch Jungen von Zwangsheirat betroffen oder bedroht, vor allem, wenn sie homosexuell waren. 117 Mal wurde eine Zwangsheirat der Berliner Umfrage zufolge vollzogen, 92 Mal war sie konkret geplant – vor allem im Ausland. 113 Mal wurde eine Zwangsehe befürchtet. „Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer viel höher ist“, sagt Koch-Knöbel.

Keine repräsentativen Zahlen

Bundesweite Umfrage-Zahlen sind mehr als zehn Jahre alt. Im Jahr 2008 wurden für eine Studie des Bundesfamilienministeriums fast 3500 Beratungen erfasst. Davon fanden 1771 vor einer Zwangsehe statt, 937 danach und 235 sowohl vorher als auch nachher. Auch diese Annäherung gilt nicht als repräsentativ. Terre des Femmes hält eine neue Studie für dringend nötig und schätzt, dass die Zahlen heute noch höher liegen.

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