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Unterricht In Mannheim-Neckarau gibt es mit Kindergarten, Hort, Werkhof und Schule einen Waldorfkomplex – plus Förderschule und Heilpädagogik

Zwei Fremdsprachen und dazu noch eine Lehre

Archivartikel

Englisch oder Französisch in der ersten und zweiten Klasse? Bisher gab es das in Baden-Württemberg. Aber Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat den fremdsprachlichen Unterricht erst vor wenigen Monaten abgeschafft. Mannheimer Grundschulkinder haben dennoch die Möglichkeit, gleich beide Sprachen zu lernen: in der Freien Waldorfschule in Mannheim-Neckarau.

750 Schüler nutzen derzeit das pädagogische Angebot am Neckarauer Waldweg, das auch den Abiturabschluss beinhaltet. Weitere 280 Schüler besuchen die Freie Interkulturelle Waldorfschule (FIW) in der Maybachstraße am Neuen Meßplatz in Mannheim. Gegründet wurde sie im Herbst 2003 mit zwei Klassen, heute sind es zwölf.

Das Neckarauer Pendant existiert sogar bereits seit 1972. Daneben gibt es dort die Odilienschule für Kinder mit besonderem Förder- und Erziehungsbedarf sowie die heilpädagogische Hans-Müller-Wiedemann-Schule. Beide arbeiten ebenfalls auf der Grundlage der Waldorfpädagogik. Ergänzt wird das Angebot durch einen Hort – die Freizeitschule –, Kindergarten und Werkhof.

Auf die Praxisorientierung lege man besonderen Wert, betont die Geschäftsführerin der Freien Waldorfschule, Valerie Zoth, im Gespräch mit dieser Zeitung. So gibt es zum Beispiel Schmiede, Schreinerei, Schneiderei und Metallwerkstätten. Die Schule bietet bis zu 900 Schülern Platz, in den vergangenen Jahren ist die Zahl von 840 auf 750 zurückgegangen.

Mehr Öffentlichkeitsarbeit nötig

Vorurteile über die besondere Form der Pädagogik seien nach wie vor „sehr weit verbreitet“, bedauert Zoth. Dem wolle man mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit entgegenwirken. „Wir müssen noch attraktiver werden“, sagt Zoth. Für den Herbst hofft sie auf Steigerung der Schülerzahlen, „ab 800 ist es in Ordnung“.

Weitgehend konstant geblieben sind die Anmeldungen bei der FIW am Neuen Meßplatz. Aber auch Geschäftsführerin Susanne Piwecki weiß, dass sie sich darauf nicht ausruhen kann. „Wir müssen auf uns aufmerksam machen“, sagt sie und setzt ebenfalls auf Werbung. Als die FIW vor mehr als 15 Jahren an den Start ging, hatte sie das Ganztagsangebot als „Alleinstellungsmerkmal“. Mittlerweile hätten mehrere Grundschulen in der Umgebung nachgezogen. „Das haben wir gemerkt“, sagt Piwecki.

Was Öffentlichkeitsarbeit angeht, bieten sich den Waldorfeinrichtungen in diesem Jahr zusätzliche Möglichkeiten. Das 100-jährige Bestehen wollen sie nutzen, um ihr Angebot vorzustellen – unter anderem bei einem großen Fest auf den Kapuzinerplanken am 28. September.