Wirtschaft

Gehälter Dax-Vorstände erhalten 52 Mal so viel wie Mitarbeiter / SAP- und VW-Chef Spitzenverdiener

3,6 Millionen Euro im Schnitt

Frankfurt.SAP-Chef Bill McDermott und Ex-VW-Chef Matthias Müller führten die Liste der am besten entlohnten Vorstandschefs der 80 größten deutschen börsennotierten Unternehmen auch im vergangenen Jahr an. Allerdings erstaunt, dass Oliver Samwer, Chef des immer noch defizitären Internet-Konzerns Rocket Internet, ebenfalls einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten hat und damit am zweitbesten bezahlter Vorstandschef war. Der Analyse der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zufolge kam Samwer auf 10,5 Millionen Euro. McDermott erhielt 12,9 und Müller 10,1 Millionen Euro.

Samwer profitiert, wie DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler gestern in Frankfurt sagte, von einem deutlichen Anstieg seines Bonus in Form von Aktien im Volumen von knapp 8,4 Millionen Euro. Allerdings weist Rocket Internet im Gegensatz zur Mehrzahl der Unternehmen die Vorstandsgehälter nicht einzeln aus. Die DSW kritisiert diese „Geheimniskrämerei“ scharf.

Generell hält die DSW den Anstieg der Vorstandsgehälter bei den 30 größten Unternehmen um 4,5 Prozent durchaus für angemessen, schließlich sei auch der gesamte Betriebsgewinn 2017 von 119 auf 148 Milliarden Euro gestiegen. Im Schnitt erhielten die Vorstände 3,6 Millionen Euro, der Vorstandschef kam auf 5,8 Millionen.

Ärger über Pensionen

Allerdings geht die Schere zwischen den Gehältern der Top-Manager und der Beschäftigten (gemessen an den durchschnittlichen Aufwendungen pro Kopf) weiter auseinander. „Die Vorstände der Dax-30-Unternehmen haben 2017 das 52-Fache ihrer Mitarbeiter verdient. Im Jahr zuvor war es das 50-Fache“, sagte Gunther Friedl von der TU München, der die Studie mit der DSW erarbeitet hat. Am krassesten ist es bei VW: Dort verdient ein Vorstand 88 Mal so viel wie ein Mitarbeiter.

Ein Ärgernis sind für die DSW, so Tüngler, die „oft allzu auskömmlichen Pensionsregelungen für Vorstände. Zudem mangele es da an Transparenz. „Grundsätzlich sollen und müssen die Vorstände ihre Altersvorsorge selbst organisieren.“ Die einseitige Belastung der Unternehmen durch intransparente und umfangreiche Pensionszusagen gehöre nicht in das Repertoire moderner Vergütungssysteme. Im Gegensatz zu „normalen“ Beschäftigten zahlen die Vorstände in der Regel keinen Cent für ihre Altersvorsorge.

Nach Berechnungen der DSW kann sich Daimler-Chef Dieter Zetsche über eine jährliche Pension von knapp 2,8 Millionen Euro freuen – bei einem Ruhestandsalter von 60 Jahren. BASF-Chef Kurt Bock kommt beim selben Rentenalter auf fast 1,2 Millionen Euro. Ähnlich ist es bei Bernd Scheifele von Heidelberg Cement. Er muss allerdings bis 62 arbeiten. Dagegen sind es bei SAP-Chef McDermott nur 90 000 Euro pro Jahr beim Eintrittsalter von 65 Jahren.