Wirtschaft

Mobilfunk Erwartungen an die superschnelle Datenverbindung sind riesig / Gericht gibt grünes Licht für Auktion ab kommendem Dienstag

5G zwischen Vision und Machbarkeit

Berlin.Viel Ärger um 5G – das Kürzel für den neuen Mobilfunkstandard ist in den letzten Wochen für viele zum Aufregerthema Nummer eins geworden: Mobilfunkunternehmen ziehen kurz vor der Auktion neuer Frequenzen vor Gericht, Politiker fordern den flächendeckenden Ausbau. Provider winken ab. Dabei sollte die Vergabe der 5G-Frequenzen den Digitalstandort Deutschland aufwerten. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was verbirgt sich überhaupt hinter 5G?

5G bezeichnet die fünfte Mobilfunkgeneration. Die bisherigen waren das analoge mobile Telefonieren sowie die Digitalstandards GSM, UMTS und LTE. 5G kann die Daten rund hundert Mal schneller transportieren als das aktuelle LTE (4G). Der neue Standard verspricht aber auch kürzere Laufzeiten der Daten (Latenz). Außerdem können in einer 5G-Funkzelle viel mehr Geräte bedient werden als bei den älteren Standards. Mit 5G können Geräte bis auf einen Meter genau geortet werden. Die 5G-Architektur kann sich intelligent an den jeweiligen Erfordernissen der Geräte im Netz ausrichten. So kann ein 5G-Netz zum Beispiel in einer Fertigungshalle besonders viele Dinge und Maschinen miteinander verbinden.

Welche Frequenzen werden jetzt versteigert?

Der Weg für die anstehende 5G-Frequenzauktion der Bundesnetzagentur ist erst seit gestern frei: Die Netzbetreiber haben vor Gericht eine Niederlage kassiert. Das Kölner Verwaltungsgericht lehnte Eilanträge von Telefónica, Vodafone und der Deutschen Telekom ab. Die Firmen hatten damit erzwingen wollen, dass zunächst die Rahmenbedingungen des Ausbaus geändert werden, bevor die 5G-Auktion starten kann.

In der Auktion geht es um 41 Frequenzblöcke, die in vergleichsweise hohen Bereichen liegen. Nach den Gesetzen der Physik haben diese hohen Frequenzen keine großen Reichweiten. Die Frequenzen aus der Versteigerung eignen sich deshalb weniger, um etwa ländliche Gebiete mit Mobilfunk großflächig abzudecken. 5G lässt sich aber auch auf anderen Frequenzen nutzen, die größere Entfernungen überwinden können. Dazu gehört das Frequenzspektrum im 700-MHz-Bereich, der bereits 2015 versteigert wurde.

Warum sind kurze Laufzeiten beim 5G-Standard relevant?

Die Daten können über 5G fast in Echtzeit übermittelt werden, die Latenzzeit kann unter einer Millisekunde liegen und darf höchstens zehn Millisekunden betragen. Das macht das Netz zum Beispiel attraktiv für den Betrieb ferngesteuerter Fahrzeuge, Präzisions-Roboter. Auch Telemedizin-Anwendungen, zum Beispiel eine Operation aus der Ferne, sind nur mit einer geringen Latenz möglich.

Wer profitiert vom schnellen 5G-Netz?

Zunächst werden vor allem Unternehmen profitieren, die den neuen Standard zum Beispiel in ihrer Fertigungshalle oder in einem Fuhrpark für das Internet der Dinge nutzen. Für die Industrie 4.0 gilt 5G als unverzichtbar. Auch intelligente Verkehrsleitsysteme sind in Planung, bei denen sich etwa die Ampelschaltung am Verkehr orientiert. Zudem wird der Einsatz für den Betrieb autonomer Fahrzeuge getestet.

Was hat der private Nutzer davon?

Erst kürzlich haben zahlreiche Hersteller neue Smartphones angekündigt, die bereits den 5G-Standard unterstützen. Doch wann die ersten Käufer davon einen Vorteil haben werden, ist offen. Noch gibt es keine buchbaren Tarife der Mobilfunk-Provider für den neuen Standard. Vorteile dürfte 5G privaten Nutzern überall dort bringen, wo viele Menschen zusammenkommen und gleichzeitig online sein wollen. So eignet sich 5G zum Beispiel ideal dafür, dass bei einem Open-Air-Konzert alle Besucher Netzzugang haben.

Wird es 5G künftig flächendeckend geben?

Wohl kaum. Zuletzt forderte zwar auch Rheinland-Pfalz den Ausbau von 5G bis in den letzten Winkel. Für die Versorgung ländlicher Gebiete haben die nun zur Versteigerung stehenden 5G-Frequenzen in der Regel aber zu kurze Reichweiten – dafür bräuchte man viele Zehntausend neu errichtete Funkzellen. Jeder einzelne 5G-Mast kostet schätzungsweise mehr als 100 000 Euro, so dass sich das schnell zu Milliardensummen addiert. Bislang stehen in Deutschland rund 70 000 Funkmasten, die über Jahre hinweg aufgebaut wurden. Mit den bereits 2015 versteigerten Frequenzen fällt es leichter, große Flächen zu versorgen. Dort steht aber nur ein geringes Spektrum zur Verfügung – 5G-Spitzenwerte sind so nicht möglich.