Wirtschaft

Verkehr Staatshilfe trotz dramatischer Rückgänge derzeit kein Thema / Heftiger Gewinneinbruch im zurückliegenden Geschäftsjahr

95 Prozent aller Lufthansa-Flüge fallen aus

Archivartikel

Frankfurt.Die Corona-Pandemie nimmt auch für die Lufthansa immer dramatischere Züge an. Mittlerweile fliegt die Airline nur noch rund fünf Prozent ihres eigentlichen Flugplans, wie Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag auf der Jahrespresse-Konferenz sagte. Insgesamt heben täglich nur noch 50 Jets ab, 30 davon in Frankfurt sowie zehn in München und durch die Lufthansa-Tochter Swiss zehn in Zürich.

Pro Woche gibt es nur noch zwölf Langstrecken-Flüge nach Nordamerika, Asien und Afrika. „Das entspricht unserem Flugplan von 1955. Das zeigt, wie dramatisch die Situation ist“, umschreibt Spohr die Lage. Derzeit gibt es praktisch keine Buchungen mehr. Aktuell ist Lufthansa mit etlichen Jets noch unterwegs, um gestrandete deutsche Urlauber im Auftrag der Bundesregierung nach Hause zu holen.

Allein für die Karibik seien dafür acht Jumbos vorgesehen. Spohr zufolge verdient die Lufthansa damit aber nicht viel Geld. Ist diese, so Spohr, „beispiellose“ Rückholaktion abgewickelt, dürfte der Flugplan noch dünner werden. Trotz der nie dagewesene Krise verliert der Lufthansa-Chef aber nicht die Zuversicht. „Wir glauben, dass wir gut gerüstet sind. Wir haben Erfahrungen mit Krisen.“

700 Maschinen in eigenem Besitz

Lufthansa sei ein „Fels“ in der Branche, das Unternehmen stehe auf solidem Fundament. Spohr verweist auf die liquiden Mittel in Höhe von 4,3 Milliarden Euro, auf nicht genutzte Kreditlinien in Höhe von 800 Millionen Euro und unlängst neu aufgenommene Mittel von 600 Millionen Euro. Außerdem seien 86 Prozent der rund 700 Flugzeuge im Besitz des Konzerns. 90 davon seien unbelastet. Das stelle eine Gegenwert von zehn Milliarden Euro, den man als Sicherheit einsetzen könne.

Staatshilfen sind für Spohr aktuell kein Thema. „Das ist heute noch nicht notwendig. Aber wenn es notwendig wird, werden wir uns darum bemühen.“ Je länger die Krise dauert, desto größer wird Spohr zufolge allerdings der Druck. Lufthansa dreht Spohr zufolge an allen Kostenschrauben. Dabei habe der Schutz der weltweit rund 140 000 Beschäftigten höchste Priorität. Entlassungen sollen unter allen Umständen vermieden werden.

Spohr zufolge wird die Branche nach Überwindung der Krise eine völlig andere sein. Den Normalzustand wie vor Corona werde nicht wiederkommen. Die Weltwirtschaft werde schrumpfen und damit auch die Airline-Industrie. „Es wird dann auch eine kleinere Lufthansa-Gruppe geben“, so der Vorstandschef.

Im abgelaufenen Jahr musste die Lufthansa wegen einer Preisschlacht im Europageschäft und gestiegener Kerosinpreise einen herben Gewinnrückgang hinnehmen. Während der Umsatz um 2,5 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro stieg, sackte der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) um 29 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro zusammen. Der Nettogewinn brach sogar um 44 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro ein.

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