Wirtschaft

Kabelnetze Vor der geplanten Fusion mit Vodafone weist der künftige Unitymedia-Chef Winfried Rapp Nachteile für Kunden zurück

„Übernahme ist eine Chance“

Heidelberg/Köln.Winfried Rapp wechselt in einer spannenden Zeit vom Finanzressort auf den Chefposten des Kabelnetzbetreibers Unitymedia. Hinter den Kulissen wird die Fusion mit Vodafone vorbereitet. Im Mai hatte das britische Unternehmen mit dem Unitymedia-Mutterkonzern Liberty Global vereinbart, dessen Kabelnetze in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien für mehr als 18 Milliarden Euro zu kaufen. „Die Übernahme ist eine Chance für den deutschen Markt und für die Verbraucher“, sagt Rapp dieser Zeitung. „Gravierende Nachteile“ für die Verbraucher sieht er aus heutiger Sicht nicht, ebenso wenig „signifikante Veränderungen“ für den Standort Heidelberg mit rund 300 Mitarbeitern.

Offener Ausgang

Die Behörden müssen der Fusion noch zustimmen, was Mitte nächsten Jahres passieren könnte. Weil das Geschäft sehr groß ist und mehrere Länder betroffen sind, ist momentan die EU-Kommission zuständig. Allerdings erwägt das Bundeskartellamt, das Prüfverfahren nach Bonn zu ziehen – „da die Fusion doch im erheblichen Maße Deutschland berührt“, wie ein Sprecher des Kartellamts sagt. Ein Indiz für den möglichen Ausgang des Verfahrens sei das nicht. Es sei alles völlig offen. „Ich kann nur vor voreiligen Schlüssen warnen“, hatte Bundeskartellamts-Präsident Andreas Mundt vor Kurzem der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärt. „Es ist zu einfach zu sagen, die Fusion ist prima, weil sie der Telekom Beine machen wird.“

Vodafone-Konzernchef Vittorio Colao hatte angekündigt, den deutschen Konkurrenten mit der Übernahme unter Druck setzen zu wollen. Schon jetzt ist Vodafone seit der Übernahme von Kabel Deutschland im Jahr 2014 in 13 Bundesländern mit einem eigenen Fernsehkabelnetz vertreten. Nun erhalten die Briten auch die Kontrolle über die Fernsehkabel in den verbliebenen Ländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg, in denen Unitymedia nach eigenen Angaben rund 13 Millionen Haushalte versorgt. Die Telekom hatte zuletzt von „Wettbewerbsverzerrungen“ gesprochen. Verbraucherschützer sehen mehr Wettbewerb gegen die Telekom grundsätzlich positiv.

Ob nach der Fusion mit Unitymedia alle Geschäfte unter dem Namen Vodafone geführt werden, ist noch unklar. Ein Konzernsprecher von Vodafone erklärt, dass sich solche Fragen erst entscheiden, wenn die Behörden Ja zur Fusion gesagt hätten. Unitymedia geht offenbar davon aus, dass es keine Probleme geben wird. „Wir sind zuversichtlich, was das Fusionsverfahren betrifft“, sagt Rapp.

Fünf Prozent mehr Umsatz

Das Unternehmen mit Sitz in Köln ist im zweiten Quartal weiter gewachsen. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf mehr als 611 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Treiber sind das Segment mit Geschäftskunden sowie schnelle Internetverbindungen für den Massenmarkt. Insgesamt gewann Unitymedia im zweiten Quartal rund 61 000 Internet-, Telefonie- und TV-Abonnements hinzu. Rapp erklärt: „Diese Position wollen wir festigen und erweitern.“