Wirtschaft

Industrie Auftragseingang und Umsatz brechen im zweiten Quartal weiter ein – von Analysten gab es dennoch Lob

ABB leidet heftig unter Folgen der Corona-Krise

Zürich/Mannheim.Der schweizerische Industriekonzern ABB bekommt weiter kräftigen Gegenwind von der Corona-Krise. Auftragseingang und Umsätze brachen im zweiten Quartal noch deutlicher ein als zu Jahresbeginn, wie das in einigen Bereichen mit Siemens konkurrierende Unternehmen am Mittwoch in Zürich mitteilte. Allerdings hatten Experten mit einem noch stärkeren Rückgang bei wichtigen Kennziffern gerechnet.

Der Auftragseingang ging von April bis Ende Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf vergleichbarer Basis – also ohne die Effekte von Zu- und Verkäufen sowie Währungsumrechnungen – um 14 Prozent auf 6,1 Milliarden US-Dollar zurück. Der Umsatz fiel um zehn Prozent auf 6,2 Milliarden US-Dollar.

Der operative Gewinn (bereinigtes Ebita) ging im zweiten Quartal auf 651 Millionen US-Dollar zurück, was auf vergleichbarer Basis einem Minus von einem Fünftel entspricht. Der Nettogewinn verfünffachte sich hingegen auf 319 Millionen US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte ABB allerdings wegen des Verkaufs des Solarwechselrichtergeschäfts eine Sonderbelastung von 455 Millionen Dollar verbucht.

Analystin Daniela Costa von Goldman Sachs bezeichnete das zweite Jahresviertel des Siemens-Rivalen als stark. Dabei betonte sie insbesondere die Auftragseingänge und Margen. Auch andere Analysten sprechen von deutlich übertroffenen Erwartungen.

Vorsichtiger Ausblick

Auf das restliche Jahr schaut ABB angesichts der Virus-Pandemie weiterhin mit großer Ungewissheit. „Es ist nach wie vor nicht abzusehen, wann die Auswirkungen von Covid-19 nachlassen werden“, hieß es. Immerhin spüre der Konzern in China eine erste Erholung. Wasi Rizvi vom Analysehaus RBC bemängelte den sehr vorsichtigen Ausblick. Hier hätten Anleger möglicherweise mehr erwartet.

Zum 1. Juli hat ABB den bereits Ende 2018 angekündigten Verkauf der Stromnetzsparte an Hitachi abgeschlossen. Von den rund 8500 ABB-Beschäftigten in Deutschland – Sitz der Landesgesellschaft ist Mannheim – arbeiten etwa 3300 in der Metropolregion Rhein-Neckar. Rund 700 Mitarbeiter waren im Rahmen des Verkaufs zu Hitachi gewechselt.

Die Nettoerlöse aus dem Verkauf an den japanischen Konzern sollen wie angekündigt an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Am im Zuge dessen geplanten Aktienrückkaufprogramm hält ABB fest. Mit der Trennung vom Stromnetzgeschäft sei bei der Transformation zu einem dezentralisierten Technologieunternehmen ein wichtiger Meilenstein erreicht, betonten die Schweizer. Zahlen zum Deutschland-Geschäft nannte der Konzern nicht. dpa/red