Wirtschaft

Abschluss ohne Arbeitskampf

Der Weihnachtsverkehr bei der Bahn wird in diesem Jahr voraussichtlich streikfrei laufen. Darauf deutet die erste Verhandlungsrunde des Unternehmens mit der streitbaren Lokführergewerkschaft GDL und der großen Verkehrsgewerkschaft EVG hin. Beide Seiten wollen einen neuen Tarifvertrag ohne große Konflikte erreichen. Das ist nach Jahren harter Arbeitskämpfe schon ungewöhnlich, zumal die Gewerkschaften mit einer Forderung von 7,5 Prozent mehr Lohn auf einen Arbeitgeber treffen, der finanziell knapp bei Kasse ist.

Auf den ersten Blick erscheint dies als konfliktträchtige Situation. Doch bei der Bahn, und nicht nur dort, kündigt sich eine Zeitenwende an. Das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern verschiebt sich, wenn auch zunächst nur leicht. Dem Konzern gehen die Fachkräfte aus, weil tausende Beschäftigte in den Ruhestand treten und gleichzeitig immer mehr Menschen Zug fahren. Das Unternehmen muss für Lokführer – und andere gesuchte Berufsgruppen – attraktiv bleiben. Dazu gehören neben guter Bezahlung auch verträgliche Arbeitsbedingungen, etwa mit Blick auf den Schichtdienst. Die Chancen der Gewerkschaften auf einen ordentlichen Abschluss ohne heftigen Arbeitskampf stehen daher gut. Die Gefahr, dass sie den Bogen überspannen, ist hingegen mit Blick auf die Tarifgeschichte gering.