Wirtschaft

Commerzbank Halbjahresgewinn steigt / Konzernumbau trägt erste Früchte / Trotz Mini-Dividende Sorgen bei Aktionären

Abstieg aus dem Dax droht

Frankfurt.Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels gibt sich erstaunlich gelassen. „Natürlich wäre es schade, wenn wir als Gründungsmitglied aus dem Kreis der 30 Dax-Mitglieder ausscheiden würden. Aber das ändert an der Relevanz der Commerzbank für die deutsche Wirtschaft nichts.“ Anfang September droht der zweitgrößten deutschen Geschäftsbank der Rauswurf aus der Deutschen Aktienindex Dax, dem hierzulande wichtigsten Börsenbarometer. Es sei denn, der Aktienkurs zeigt bis dahin deutlich nach oben.

Davon ist derzeit nichts zu sehen: Obwohl die Bank im ersten Halbjahr einen Nettogewinn von 533 Millionen Euro verbuchen konnte – nach einem Verlust von 414 Millionen im Vorjahreszeitraum – und obwohl sie für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende von 20 Cent zahlen will, rutschte der Aktienkurs gestern zeitweise wieder fast drei Prozent auf gut 8,70 Euro ab. Seit Jahresanfang hat die Commerzbank-Aktie bei einem Kurs von aktuell rund 8,75 Euro fast ein Drittel ihres Wertes eingebüßt und ist damit schwächstes Papier im Dax, der die 30 wichtigsten deutschen Aktiengesellschaften umfasst.

Wirecard steht bereit

Am 5. September entscheidet die Deutsche Börse turnusmäßig über die Zusammensetzung des Leitindex’. Alles deutet derzeit darauf hin, dass dann der Münchner Zahlungsdienste-Anbieter Wirecard die Commerzbank ersetzt. Engels fürchtet auch nicht, wie er gestern bei der Vorlage de Halbjahresberichtes sagte, dass bei einem Abstieg seiner Bank in den MDax, dem zweitwichtigsten Börsenindex, Investoren abspringen. Wie der Bund, mit 15 Prozent immer noch größter Aktionär der Commerzbank, zum möglichen Dax-Abschied steht, sagt Engels nicht. Da müsse man in Berlin nachfragen.

An der Geschäftsstrategie der Bank ändere das Ausscheiden aus dem Dax freilich nichts. Die Bank selbst könne über bessere Ergebnisse aber dafür sorgen, dass der Aktienkurs steige und damit die Marktkapitalisierung von aktuell nur rund elf Milliarden Euro. Dabei kommt die Commerzbank erkennbar voran. „Wir wachsen und machen Fortschritte bei der Vereinfachung unserer Prozesse und der Digitalisierung. Es wird natürlich noch dauern, bis unsere Wachstumsinitiativen ihre volle Wirkung entfalten“, sagt Vorstandschef Martin Zielke.

Für einen unerwarteten Dämpfer sorgte nach den Worten von Engels das frühe Ausscheiden der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM. Die Commerzbank ist bedeutender Sponsor des Deutschen Fußballbundes und knüpft daran wichtige Werbekampagnen. Nun will das Institut im zweiten Halbjahr wieder gezielte Kampagnen starten. „Wir nehmen den Branchenwettbewerb um neue Kunden nicht um jeden Preis an“, sagt Engels zudem.

7300 Stellen fallen weg

Mit 7,1 Milliarden Euro dürften die Kosten der Bank im Gesamtjahr etwas höher ausfallen als erwartet. Gründe sind hohe Aufwendungen für die Digitalisierung, aber auch Kosten für den bereits im vergangenen Jahr eingeleiteten Personalabbau. Bis 2020 sollen unter dem Strich 7300 Stellen wegfallen. Ende Juni zählt die Commerzbank noch rund 48 800 Beschäftigte, davon 36 300 in Deutschland. Unter dem Strich rechnen Engels und Zielke aber 2018 mit einem ordentlichen Gewinn.

Den Aktionären stellt das teilverstaatlichte Institut eine Dividende von 20 Cent je Aktie in Aussicht. Damit würde die Ausschüttung ebenso hoch ausfallen wie 2015 als der Dax-Konzern zum ersten und bisher einzigen Mal seit der Rettung durch den Staat in der Finanzkrise 2007/2008 seinen Anteilseignern etwas zahlte.

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