Wirtschaft

Börse Commerzbank und Deutsche Bank unter größten Kapitalvernichtern / Auch regionale Unternehmen auf unrühmlicher Liste

Aktionäre zweifeln am Sinn einer Banken-Fusion

Frankfurt.Andere stehen zwar noch schlechter da. Doch ist das Abschneiden der Deutschen Bank alles andere als rühmlich. Sie rangierte im vergangenen Jahr auf Platz zehn der Unternehmen, die ihren Aktionären die größten Kursverluste bescherten. 56 Prozent büßte die Aktie der Deutschen Bank ein, in den vergangenen fünf Jahren waren es sogar 76 Prozent. Die Commerzbank steht in der Liste der 50 größten Kapitalvernichter, die die Aktionärsvereinigung DSW gestern vorlegte, immerhin „nur“ auf Platz 25 mit ebenfalls herben Kurseinbußen von 54 Prozent im vergangenen Jahr.

Aber nicht nur wegen der schlechten Kursentwicklung der Aktien hält DSW-Vizepräsident Klaus Nieding nichts von einer möglichen Fusion der beiden Institute. „Da gibt es viel zu viele überlappende Geschäftsfelder, als dass ein Zusammenschluss Sinn machen würde. Das Einzige, was angerichtet würde, wäre ein massiver Arbeitsplatzabbau.“ Ob sich Olaf Scholz, ein sozialdemokratischer Finanzminister, dafür hergeben würde, bezweifelt Nieding. Er glaubt auch nicht, dass Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mit einem solchen Schritt in die Geschichte seines Hauses eingehen wolle.

Spannung vor Hauptversammlung

Schätzungen gehen mittlerweile davon aus, dass bei einem Zusammenschluss mindestens 40 000 der aktuell noch 130 000 Vollzeitstellen in beiden Häusern binnen weniger Jahre wegfallen würden. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Deutsche Bankangestellten Verband (DBV) lehnen deshalb eine Fusion ab. International wäre auch eine fusionierte Bank kein Champion. Bis spätestens Mitte April muss nach Ansicht der DSW Klarheit herrschen, sollte die Fusion tatsächlich in diesem Jahr angegangen werden. Denn dann müssen die Einladungen für die Hauptversammlungen beider Banken im Mai rausgehen. Dass die Aktionäre mitentscheiden, steht für Nieding außer Frage. Ob eine Fusion den Aktien beider Unternehmen guttun oder zu einer weiteren Talfahrt führen würde, lässt die DSW offen.

Größter Kapitalvernichter war im vergangenen und über die vergangenen fünf Jahre nach Angaben von DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler das Pharmaunternehmen Mologen. Unter den 50 größten Kapitalvernichtern sind auch der Mannheimer Industrieservicekonzern Bilfinger, die Pfälzer Baumarkt-Kette Hornbach, der Mannheimer Südzucker-Konzern und Heidelberger Druck.

Aber natürlich gab es im Jahr 2018 und den zurückliegenden fünf Jahren auch Unternehmen, deren Aktien nur eine Richtung kannten: nach oben. An der Spitze steht dabei mit riesigem Abstand laut DSW-Geschäftsführer Tüngler der Finanzdienstleister Hypoport, dessen Kurs seit 2013 um von damals rund neun Euro um rund 1400 Prozent auf knapp 150 Euro Ende 2018 nach oben geschossen ist.