Wirtschaft

Finanzen KfW-Chef Günther Bräunig ist durch die Corona-Pandemie zu Deutschlands wichtigstem Banker geworden

Alle Hände voll zu tun

Archivartikel

Frankfurt.Günther Bräunig braucht kein Rampenlicht. Der Chef der staatlichen Förderbank KfW ist ein pragmatischer Manager, fokussiert, mit klarer Denke und bar jeglicher Allüren. Der 65-Jährige war zuletzt der wichtigste Banker hierzulande. Die KfW hat – etwas flapsig gesagt – an entscheidender Stelle mitgeholfen, den „Laden“ im Corona-Jahr 2020 in Deutschland zusammenzuhalten. Mit dem Realisten Bräunig an der Spitze.

Tagelange Krisenkonferenz

Dabei hat auch der KfW-Chef bis Anfang März 2020 nicht geahnt, wie dramatisch sich das Jahr durch das Virus entwickeln würde. Und eigentlich darauf gesetzt, noch mehr Verantwortung für die Transformation nicht nur Deutschlands hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft zu übernehmen. Das Thema hat Bräunig nicht aus den Augen verloren. Aber Corona hat alles überlagert. Bis Mitte Dezember wurden bei mehr als 103 000 Anträgen fast 60 Milliarden Euro an Krediten aus dem Hilfsprogramm der KfW beantragt. Zugesagt wurden rund 46 Milliarden. Anfang Februar war Bräunig noch nach Tunesien gereist, um sich anzuschauen, wie die KfW im Auftrag des Bundes hilft, das nordafrikanische Land voranzubringen. Auch in Sachen Klima- und Umweltschutz. Aber er hatte das Virus schon im Blick. „Die Corona-Pandemie wird sich in Europa und auch in Deutschland wirtschaftlich auswirken“, prognostiziert er, ohne zu ahnen, welche Dimensionen dies annehmen würde. Vier Wochen später ist er schlauer.

Zusammen mit der Bundeskanzlerin, dem Finanz- und dem Wirtschaftsminister konferiert Bräunig Mitte März tagelang. Dann ist das beispiellose Krisenprogramm auch der KfW geschnürt. „Die Bundesregierung sieht die KfW in dieser Zeit als genauso wichtig an wie Krankenhäuser, Energieversorger und andere lebensnotwendige Einrichtungen Deutschlands“, sagt er am 16. März zu den Beschäftigten.

Bräunig ist sich sicher: Es kommt eine Antragsflut, die bewältigt werden muss, damit die Kredite schnell ausgezahlt werden können. „Diesem Ziel werden wir alles andere, was wir in diesem Konzern tun, unterordnen, da die ganze Republik schauen wird, wie schnell und wie effektiv wir sein werden“, sagt Bräunig. 1000 Beschäftigte stellt er für das Corona-Hilfsprogramm ab. Aber er ist zuversichtlich, dass die Bank das packt. „Mit Krisen und Sonderprogrammen kennen wir uns aus.“ Auf 20 000 bis 100 000 Anträge stelle sich die KfW ein, sagt Bräunig Ende März. „Aber fragen sie mich nicht nach dem Volumen.“

Hilfsprogramm verlängert

Heute ist klar, dass der KfW-Chef die Lage realistisch eingeschätzt hat. Allein bis August landen 85 000 Kredit-Anträge bei der KfW, die überwiegende Mehrzahl mit einem Volumen von bis 800 000 Euro. Die dicksten Kredite gehen an große Firmen: Drei Milliarden Euro im Rahmen des Rettungspakets für die Lufthansa, drei Milliarden an TUI, 2,4 Milliarden an Adidas – die mittlerweile zurückgezahlt sind. Auch 32 000 Studentinnen und Studenten greift die Bank mit zinslosen Studienkrediten im Volumen von einer Milliarde Euro unter die Arme.

Mittlerweile ist die Antrags- und Zusageflut abgeebbt. Es sei immer noch ein Kraftakt, sagt Bräunig, der an alle appelliert, sich an die verordneten Maßnahmen zu halten, um die Pandemie wirksam eindämmen zu können. Das Corona-Programm hat die KfW bis Mitte 2021 verlängert. Bräunig arbeitet seit Ende März vornehmlich im Home-Office – wie der gesamte Vorstand und der größte Teil der rund 6700 Beschäftigten des Instituts. Der Vorstand tauscht sich vornehmlich per Telefon oder Video-Schalte aus. „Unsere Bank steht vor einer großen Bewährungsprobe“, hat Bräunig im März gesagt. Bestanden, muss man dem 65-Jährigen inzwischen attestieren. Obwohl es zu Beginn mit den Corona-Programmen mitunter etwas holprig lief. So wie zuvor bei anderen Krisen auch.

2008 muss Bräunig die dramatische Schieflage bei der IKB, der Mittelstandstochter der KfW managen. Windige Geschäfte der dortigen Manager bescheren der KfW einen Verlust von fast zehn Milliarden Euro. Nach der Finanzkrise 2009 sind Konjunkturhilfen der KfW gefragt. Und gerufen wurde immer wieder, wenn Großkonzerne in Problemen steckten. Bräunigs Vertrag läuft im Juni 2021 aus. Er könnte dann guten Gewissens gehen. Im kommenden Oktober wird er schließlich 66.

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