Wirtschaft

Lebensmittel Darmstädter Bio-Händler steigert Umsatz um fast 20 Prozent / Kunden kaufen weniger oft, aber dafür mehr ein

Alnatura knackt Milliarden-Marke

Darmstadt.Backwaren, Konserven, Nudeln und Tiefkühlkost – seit der Corona-Zeit kaufen die Alnatura-Kunden deutlich mehr Produkte für die Vorratshaltung. Und sie kaufen „weniger oft, aber dafür viel, viel mehr“, erklärt Geschäftsführer Rüdiger Kasch zum veränderten Konsumverhalten in der Pandemie.

Zudem hat der Darmstädter Bio-Lebensmittelhändler von der weiter großen Nachfrage nach ökologisch hergestellter Ware profitiert: Im Geschäftsjahr 2019/2020 knackte Alnatura zum ersten Mal die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro. 1,08 Milliarden Euro waren es genau – fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Ergebnis macht das Unternehmen keine Angaben.

Gründer Götz Rehn führt das Wachstum auch auf die Nachfrage nach „authentischen Produkten“ zurück, die vorzugsweise aus der Region kommen. Um diesem Bedürfnis Rechnung zu tragen, lässt Alnatura jetzt sogar auf der Insel Reichenau den eigentlich aus Asien stammenden Ingwer anbauen – „Bodensee statt Übersee“. Als Vorreiter im Filialeinzelhandel sieht sich Alnatura beim Thema Mehrweg: Seit diesem Jahr werde eine große Bandbreite an Lebensmitteln im Pfandglas angeboten, von Nüssen über Tee bis Ketchup. Um Verpackungsmüll zu reduzieren, verzichtet Alnatura auch seit knapp zwei Jahren auf Plastiktüten für Obst und Gemüse sowie Einweg-Kaffeebecher. Seit diesem Monat wird ein Unverpackt-Sortiment für Nüsse und Kerne getestet.

136 Alnatura-Filialen gibt es derzeit, vier neue wurden bis September eröffnet. Im laufenden Geschäftsjahr sollen weitere sechs in Stuttgart, Offenburg, Weil am Rhein, Bad Homburg, Kiel und Hildesheim dazukommen. Der Bio-Händler kündigte an, in den kommenden Jahren die Expansion wieder stärker auszuweiten. Alnatura wächst aber nicht nur mit eigenen Filialen, sondern auch mit seinem Sortiment bei Handelspartnern wie Edeka oder Rossmann. Auch in Österreich oder der Schweiz werden Alnatura-Produkte über Partner vertrieben. Jetzt streckt das Darmstädter Unternehmen auch seine Fühler nach Tschechien aus und kooperiert mit dem Großhändler JIP. „Tschechien ist ein sehr interessanter Markt“, sagt Kasch. Das Partner-Geschäft stellt die Hälfte des Alnatura-Umsatzes.

3500 Menschen sind aktuell bei Alnatura beschäftigt, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in den kommenden Monaten will das südhessische Unternehmen 200 neue Mitarbeiter einstellen. Rehn betont, dass die Beschäftigten in den Märkten weit über Mindestlohn und meist auch über den üblichen Einzelhandelstarifen bezahlt werde. Alnatura hat zum Oktober den internen Mindestlohn von zwölf auf 13 Euro erhöht. Damit zahlt Alnatura einen fast 40 Prozent höheren Stundensatz als die vorgeschriebenen 9,35 Euro. Zum Beginn der Corona-Krise gab es zudem einen Bonus für alle Markt-Mitarbeiter.

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