Wirtschaft

Handelskonflikt Abwertung des Yuan erschreckt Finanzmärkte und Analysten / USA beschuldigen China der Währungsmanipulation / Ehemalige Fed-Chefs alarmiert

„Als käme ein Tsunami auf uns zu“

Archivartikel

Washington.Die Sieben gilt in der westlichen Kultur als Glückszahl. Im Verständnis der Chinesen bringt sie dagegen Unglück. Und auf dem internationalen Währungsmarkt markiert die Sieben eine „rote Linie“, die der Wechselkurs des Yuan gegenüber dem US-Dollar nicht überschreiten sollte. Genau das tat der Yuan am Montag zum ersten Mal seit elf Jahren – und löste ein Beben an den Weltmärkten aus. Die Kurstafeln an den Börsen verwandelten sich von New York über Frankfurt bis Shanghai und Tokio in ein rotes Meer. Das Überschreiten der psychologisch wichtigen Schwelle lässt Analysten wie Hao Zhou von der Commerzbank „eine Welle an Währungsabwertungen“ befürchten. „Es sieht so aus, als käme ein Tsunami auf uns zu.“

Peking schlägt zurück

US-Präsident Donald Trump reagierte gereizt auf die Entscheidung der chinesischen Zentralbank, die unabhängig vom freien Spiel des Marktes den Tageskurs des Yuan festsetzt. Diese hatte die Abwertung als Reaktion auf die angekündigten Strafzölle der USA auf Güter in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar erklärt. „Man nennt das Währungsmanipulation“, wetterte der US-Präsident. Postwendend setzte US-Finanzminister Steve Mnuchin die Volksrepublik zum ersten Mal seit 1994 wieder auf die schwarze Liste der Währungsmanipulatoren. „Das kann den Effekt haben, dass die USA effektiv alle Importe aus China unterbinden“, sagt der Handelsexperte Eswar Prasad.

Peking seinerseits rückte nicht nur von dem Versprechen ab, zusätzliche Sojabohnen in den USA einzukaufen, sondern stellte die Agrarimporte vollständig ein. Analysten erkennen darin einen gezielten Schlag gegen die US-Farmer, die zu Trumps treuesten Wählern gehören.

Das Hochschaukeln des Handelskonflikts nährt die Versuchung des US-Präsidenten, den Druck auf den Vorsitzenden der nominell unabhängigen Notenbank Fed, Jerome Powell, zu erhöhen, die Leitzinsen weiter zu senken und den Dollar damit billiger zu machen. Vor einem solchen Schritt warnen die vier ehemaligen Fed-Chefs – Paul Volcker, Alan Greenspan, Ben Bernanke und Janet Yellen – in einem gemeinsamen Beitrag für das „Wall Street Journal“. Es sei von zentraler Bedeutung, dass die Notenbank „im besten Interesse der Nation und nicht einer kleinen Gruppe von Politikern entscheidet“.

Steven Charles Kyle von der Cornell University erkennt Parallelen zu den 1930er Jahren, als ein globaler Zoll- und Währungskrieg geradewegs in die große Depression steuerte. „Wir sollten nicht einmal den ersten Schritt auf diesem Pfad beschreiten“, warnt Kyle. Zudem riskiere Trump mit einer absichtlichen Schwächung des Dollars das Vertrauen in die Leitwährung.

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