Wirtschaft

Automobil CO2-Strafzahlungen laut Studie Risikofaktor für Industrie / Nachfragerückgang von vier Prozent / Nächste Woche beginnt IAA

Angeschlagene Branche sucht Weg in die Zukunft

Frankfurt.Der Druck auf die Automobilhersteller steigt. Die Umstellung auf Elektroantriebe müsse schneller vorangehen als bislang, wenn die EU-Klimaziele noch eingehalten werden sollen, meinen unter anderem die Autoren einer am Montag vorgestellten Studie der Commerzbank. Aus ihrer Sicht sind mögliche CO2-Strafzahlungen der aktuell wichtigste Risikofaktor für die Industrie, die außerdem Nachhaltigkeitswünsche ihrer Kundschaft bedienen müsse.

„Hersteller müssen handeln, um nicht die Hälfte ihrer Gewinne durch EU-Geldstrafen zu verlieren“, sagt der Branchenexperte der Commerzbank, Cedric Perlewitz.

„Der Automobilstandort Deutschland mit seiner hohen Exportquote steht vor erheblichen Herausforderungen“, erklärte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, im Vorfeld der IAA, die am Donnerstag, 12. September, in Frankfurt zunächst für die Fachbesucher öffnet. Mit rund 800 Ausstellern auf 168 000 Quadratmetern Fläche fällt die 39. Ausgabe der Autoschau deutlich kleiner aus als vor zwei Jahren, als noch 994 Aussteller das komplette Frankfurter Messegelände mit mehr als 200 000 Quadratmetern bespielten.

Von den wichtigen Märkten China, USA und Europa gehen derzeit keine belebenden Impulse aus, sind sich Verband und Commerzbank vor der Messe einig. Global wird für 2019 ein Nachfragerückgang von vier Prozent auf noch 81 Millionen Neuwagen erwartet.

Kurzarbeit bei Schaeffler

Die unmittelbaren Folgen sind beispielsweise beim fränkischen Zulieferer Schaeffler zu beobachten, bei dem zum September hunderte Mitarbeiter in Kurzarbeit gehen. „Bis auf Weiteres“ müssen beispielsweise 250 von rund 500 Mitarbeiter im Sondermaschinenbau Frauenaurach nur noch 75 Prozent der vereinbarten Arbeitszeit leisten. Für den ausbleibenden Lohn gibt es Kurzarbeitergeld von der Arbeitsagentur.

Schaeffler leidet wie die Konkurrenten Bosch, Continental oder ZF unter dem allgemeinen Produktionsrückgang und dem schnellen technologischen Wandel vom Verbrennermotor zu alternativen Antrieben. Auf der IAA zeigt Schaeffler erstmals eigene Elektromotoren in diversen Leistungsklassen, die nun in die Großserienproduktion gehen.

Die Commerzbank-Experten bescheinigen den Zulieferern trotz der aktuellen Probleme gute Marktchancen: „Die neuen Technologien brechen das traditionelle Machtverhältnis zwischen Herstellern und Zulieferern auf“, sagt Perlewitz.

30 Automarken haben die IAA aus Kostengründen abgesagt, doch laut VDA-Chef Mattes hat sich die Funktion der Messe längst geändert. „Es ist nicht mehr entscheidend, alles zu präsentieren, sondern die richtigen Anstöße zu geben und alle Akteure der Branche zusammenzubringen.“ Die IAA sei „das wichtigste Leitevent der Mobilität der Zukunft“.

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