Wirtschaft

Telekommunikation Ab diesem Mittwoch profitieren Bürger von weiteren Regeln / Verbraucherschützer zufrieden

Anrufkosten ins EU-Ausland nun gedeckelt

Brüssel/Berlin.Aus dem Spanien-Urlaub kurz zuhause anrufen? Seitdem die Gebühren für die Nutzung ausländischer Mobilfunknetze (Roaming) weggefallen sind, ist das in der EU ohne horrende Telefonrechnung möglich. Für die EU ist es ein Vorzeigeprojekt, denn selten ist der persönliche Nutzen der Staatengemeinschaft so unmittelbar spürbar. Diesen Mittwoch kommt ein weiterer Bonus hinzu. Dann werden die Gebühren für Telefonate und SMS aus dem Heimatland ins EU-Ausland gedeckelt. Verbraucherschützer begrüßen die neuen Regeln – sehen aber noch Luft nach oben. Der Unterschied zwischen dem Roaming-Aus vor zwei Jahren und den neuen Regeln wirkt auf den ersten Blick minimal – ist aber entscheidend. Denn bei Anrufen aus dem Heimatland in ein anderes EU-Land greift diese Regelung nicht. Ruft eine Deutsche also ihren Freund in den Niederlanden an, der eine niederländische Telefonnummer hat, konnte es bislang teuer werden. Laut Europäischem Verbraucherverband fielen in Deutschland bislang bis zu 1,99 Euro pro Minute für Auslandsgespräche per Handy an.

Vom 15. Mai an werden nur noch maximal 19 Cent pro Minute fällig, egal, ob Festnetz-Telefon oder Handy. Eine SMS kostet dann maximal sechs Cent. Hinzu kommt die Mehrwehrsteuer. Die EU-Kommission nennt ein Beispiel: Eine Italienerin telefoniert jeden Monat zwei Stunden mit ihrer Tochter in Belgien – und zahlt dafür rund 105 Euro. Nach den neuen Regeln, auf die sich Europaparlament und EU-Staaten im vergangenen Juni geeinigt hatten, würde sie dafür nun höchstens noch 27 Euro zahlen. Der Wegfall der Roaming-Gebühren war schon im Sommer 2017 in Kraft getreten.

Norwegen und Island dabei

„Überteuerte Anrufe und SMS aus dem deutschen Netz ins EU-Ausland gehören bald der Vergangenheit an“, sagt Susanne Blohm von der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Preise sollten nicht davon abhängen, ob ein Dienst im Inland erbracht wird oder eine Grenze überschreitet.“ Neben den 28 EU-Ländern gelten die neuen Vorschriften bald auch in Norwegen, Island und Liechtenstein.

Eine Umfrage zeigt, dass vier von zehn befragten EU-Bürgern im vergangenen Monat eine Person im EU-Ausland kontaktiert haben. Jeder vierte Befragte wählte dazu traditionelle Wege wie den Anruf vom Festnetz oder vom Handy sowie die SMS. Zwei von drei Deutschen gaben spontan allerdings auch an, niemanden im EU-Ausland kontaktiert zu haben.

16 Prozent erklärten immerhin, die neuen Regeln machten es wahrscheinlicher, dass sie sich bei Freunden im EU-Ausland melden.